Playlistig: Arthur Alexander zum 75. Geburtstag!


Er stand mit Jimi Hendrix auf der Bühne, komponierte mit Otis Redding und landete auf den Debütalben der Beatles und der Rolling Stones. Auch Bob Dylan, Dusty Springfield, Gerry & the Pacemakers, die Bee Gees und Ike & Tina Turner sangen seine Lieder. Heute wäre Arthur Alexander 75 Jahre alt geworden.

Wer solcherart musikalischen Lebenslauf vorweisen kann, der dürfte als strahlende Ikone in die Annalen der Popmusik eingehen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Arthur Alexander blieb zeitlebens relativ erfolglos und ist auch heute kaum bekannt. Wie kann das sein?

Schlechte Verträge, die falschen Drogen und Schicksalsschläge. Wie viele Musiker seiner Ära war Arthur Alexander naiv und unterschrieb die falschen Verträge mit den falschen Leuten. Damit trat er die Rechte für seine Kompositionen an Bauernfänger ab. Hinzu kam, dass June höchst ungern auf der Bühne vor einem großen Publikum auftrat. Außerdem schluckte er zu oft zu viele Pillen und Alkohol, was ihn paranoid und unzuverlässig werden ließ. Dazu warf ihn die lange Trennung von seiner Frau Ann, die er in Anna (Go To Him) besungen hatte, über mehrere Jahre aus der Bahn, was seinen Alkoholkonsum unterfütterte.

Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine stabile Karriere. Ende der Siebziger Jahre warf Arthur Alexander das Musikerdasein hin, wandte sich der Kirche zu und wurde Busfahrer in Cleveland, Ohio. Erst 1993 nahm er ein neues Album auf und plante ein Comeback. Daraus wurde nix, denn kurz darauf starb der Soul-Pionier an einem Herzinfarkt.

Am 10. Mai 2015 wäre Arthur Alexander Junior 75 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages und in Würdigung seiner Leistungen für den Southern Soul habe ich die meiner Meinung nach besten seiner Songs aufgelistet. Der Chefkoch empfiehlt:

1. Sally Sue Brown: Seine Debütsingle hat er unter dem Künstlernamen »June Alexander« aufgenommen. June ist die gängige Kurzform für Junior und war allgemein sein Spitzname. Eine schöne Rockabilly-Nummer.

2. A Hundred Pounds Of Clay (Gene McDaniels): Ein biblisches Kompliment an alle Frauen, denn der Schöpfer formte sie aus 50 Kilo Lehm und zur Freude der Männer… Schickes Hörbeispiel für Black Country aka Country-Soul.

3. A Shot of Rhythm and Blues (Terry Thompson): Die B-Seite der Hitsingle You Better Move On kam bei den Musikkritikern besser weg als die A-Seite. Gerry & the Pacemakers und sogar die Beatles übernahmen die rockige Nummer.

4. Funny How Time Slips Away (Willie Nelson): In dieser wunderschönen Country-Schnulze sieht der Sänger nach Ewigkeiten seine Ex-Freundin wieder und tauscht Plattitüden aus, die seine wahren Gefühle verbergen.

5. Glory Road (Neil Diamond): Für die B-Seite seiner letzten Monument-Single Cry Like a Baby wählte Alexander eine Nummer seines neuen Lieblingskomponisten Neil Diamond. Auch hier sticht die B-Seite die A-Seite aus.

6. Hey! Baby (Bruce Channel/Margaret Cobb): Mit den ersten Noten dieses Titels grassiert sogleich das Dirty Dancing Feeling. Versucht’s/vermeidet’s!

7. I Need You Baby: Mächtig melodramatisch! Und zu recht, denn es sind große Gefühle im Spiel. Leider verwendete man diese Alexander-Kompostion nur als B-Seite zur laschen Single Spanish Harlem. (June war ein großer Bewunderer des jüngst verstorbenen Ben E. King gewesen. Benny King revanchierte sich 1983 mit den Drifters und ihrer Version von You Better Move On.)

8. In The Middle Of It All: Traurig-schön wie ein Verkehrsunfall in Zeitlupe kommt diese Eigenkomposition daher. Zu uns spricht ein Mann, dessen Welt gerade in Scherben fällt. June hat diese persönliche Nummer mindestens drei Mal aufgenommen; die erste Version ist die beste.

9. (Lay Down Your Arms) Soldier Of Love (Buzz Cason): Eine R&B-Schnulze mit liebenswürdigen Wortspielen, die John Lennon so gut gefallen hat, dass er sie ins Live-Repertoire der Beatles übernahm.

10. Love Me Warm And Tender (Paul Anka): Ein Liebeslied mit recht eigenwilligem Rhythmus und hoher Ohrwurm-Qualität. Wer mag, kann sich zum Vergleich mal die deutsche Version Meine Liebe schenk ich dir von Paul Anka anhören.

11. Me and Mine (Shirl Milete): Klingt, als wäre es Arthur Alexander auf den Leib geschrieben. Aus unerfindlichen Gründen blieb dieses Schmankerl im Gegensatz zu manchem Schmarren bis 2001 unveröffentlicht.

12. Solitary Man (Neil Diamond): Die nur mit Akustikgitarre eingespielte Demoversion befindet sich auf dem letzten Album Lonely Just Like Me: The Final Chapter (Reissue von 2007 mit Bonustiteln) und ist der American Recording von Johnny Cash um Längen voraus.

13. Stay By Me: Labelchef Henry »Juggy« Murray hat einmal über die Rock-Legende Ike Turner gesagt: »Ike war ein musikalisches Genie, aber er hätte eine Hit-Schallplatte noch nicht einmal erkannt, wenn sie ihm vom Empire State Building auf den Kopf gefallen wäre.« Ähnliches Talent müssen die Leute von Monument Records gehabt haben, denn auch dieser liebliche Titel blieb unveröffentlicht bis 2001.

14. You Don’t Care (Herb Ryals): Im Text sehr anklagend, in der Melodie unheimlich groovend. Eine seiner besten Nummern. Gefällt Rockabillies vermutlich ebenso wie Soul-Fans.

15. Don’t You Know It: Fast perfekt! Besitzt einen hypnotischen Beat und die richtige Dosis Ohrenschmalz, ist aber mit 1:55 Minuten viel zu kurz.

Foto: Ace Records

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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