→ Alexander Gerbig: In Max Pechsteins Schatten

Laut Google ist Gerbig unglaubliche 141 Jahre alt. (Anklicken zum Ankieken)


Alexander Gerbig aus Thüringen und Max Pechstein aus Sachsen verband eine kreative Freundschaft. Der eine ging als expressionistischer Maler in die Geschichte ein, der andere bloß als dessen Brieffreund. In der Google-Suchmaske ist Alexander Gerbig allerdinx bisher unsterblich.

* 8. Dezember 1878 in Suhl
† 3. August 1948 in Suhl

Geschichte ist selten gerecht, Kunstgeschichte schon gar nicht. Da fahren zwei Ossis zusammen nach Italien, stellen ihre Staffeleien nebeneinander und pinseln drauflos. Der eine gilt heute als führender Vertreter des deutschen Expressionismus, der andere hat noch nicht mal einen Wikipedia-Eintrag. Wäre diese Künstlerfreundschaft nicht in der Ausstellung „Mein lieber Alex … Dein alter Max“ samt Katalog thematisiert worden, ich wüsste bis heute nichts von Gerbig aus dem Gebirg. Das ausgestellte Konvolut umfasste insgesamt 119 Briefe und Karten von Pechstein an Gerbig.

Der aus Zwickau stammende Max Pechstein und der drei Jahre ältere Alexander Gerbig freundeten sich 1899 an, da arbeitete der Suhler als Dekorationsmaler in verschiedenen deutschen Städten. Ab 1900 studierten sie gemeinsam an der königlichen Kunstgewerbeschule in Dresden. Bis zum Ende ihres Lebens blieben die beiden Expressionisten in Kontakt und schickten sich gegenseitig illustrierte Postkarten und Briefe. Die Brieffreundschaft überdauerte sogar die beiden Weltkriege. Im Ersten Weltkrieg war Gerbig Luftbildzeichner des Flieger-Kommandeurs der 7. Armee, im Zweiten Weltkrieg wurde er als „entarteter“ Künstler verfemt.

Nach Kriegsende wurde Gerbig zum Ehrenvorsitzenden der Sektion Bildende Künste Suhl ernannt. Heute gibt es in seiner Heimatstadt immerhin eine Alexander-Gerbig-Straße plus „Alexander Apotheke“. Immerhin. Vielleicht mausert sich Alexander Gerbig demnächst doch noch zum In-Suhlaner.

Nachtragshaushalt
Es erscheint etwas seltsam, wenn in einem Artikel, der das Verschwinden Gerbigs im Schatten von Pechstein beklagt, wieder nur Pechsteins Korrespondenz erwähnt und penibel durchgezählt genannt wird. Aber wie mir in einer Eildepesche mitgeteilt wurde, sind Alexander Gerbigs Antwortschreiben leider während des Krieges in Pechsteins Berliner Atelier verbrannt. Geschichte ist eben selten gerecht.

Über andileser

Ich bin außer mir.
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Eine Antwort zu → Alexander Gerbig: In Max Pechsteins Schatten

  1. Lars schreibt:

    Kategorie: besonders wertvoll

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