→ Seine Alexzellenz Kaiser Alexander (Apfel)

Apfelsortenschau_Kaiser-Alexander
Gestatten? Seine Majestät Kaiser Alexander, eine russische Apfelsorte. Sie wurde im 19. Jahrhundert in Südrussland entdeckt und veredelt. Von Russland ausgehend hat Kaiser Alexander halb Europa erobert. Einzige Waffe hierbei war allein das Obstmesser.

Herbstzeit ist Apfelzeit. Zumindest in der Natur. Im Supermarkt hingegen ist das ganze Jahr durchgehend Saison. Mit den ewig gleichen, hochgezüchteten Apfelsorten aus Chile, Neuseeland und Südafrika. Statt Multikulti herrscht auf den Apfelplantagen Monokultur. Wer jedoch einen eigenen Garten hat oder jemanden kennt, der einen Garten hat, oder gar jemanden kennt, der jemanden kennt, der einen Garten hat — jedenfalls gibt es auch noch andere Sorten, unglaublich aromatische und unglaublich schmackhafte, wohlgemerkt.

Alte Apfelsorten, die so genannt werden, weil sie im Erwerbsanbau keine Rolle mehr spielen, sind zumeist regionale Spezialitäten. Oft tragen sie lustige Namen und haben eigenwillige Merkmale. Manche haben Rippen, Wülste oder Fleischnasen, andere sind kleiner als die Supermarktäpfel, wieder andere sind besonders groß, wie der vorliegende Superapfel Kaiser Alexander.

Kaiser Alexander von Russland gehört in die Sortengruppe der Rambouräpfel, das sind außergewöhnlich große Exemplare, wie der Rheinische Winterrambur oder der Eifeler Rambour. Eine deutsche Alternativbezeichnung wäre Pfundäpfel, weil die einzelnen Früchte um die 500 Gramm wiegen können. Ganz schön majestätisch.

kaiser-alexander-apfel

Benannt wurde die Sorte nach dem Kaiser aller Reußen, Zar Alexander I. (1777–1825), der bekanntlich Napoleon besiegte und auf dem Wiener Kongress 1815 die Neuaufteilung Europas wesentlich mitbestimmt hat. In Russland, wo die Ursprünge der Sorte liegen, nannte man den Apfel allerdings „Aporta“. Über das Baltikum gelangte „Aporta Nalivia“ 1817 nach England. Die Transformation des Namens von „Aporta“ zu „Alexander Apple“ erklärt der Pomologe Adrian Diel (1756–1839) im damals üblichen Stolperdeutsch in seiner Systematischen Beschreibung der vorzüglichsten Kernobstsorten:

„Diese Frucht wurde in Reißern aus Moskau durch die Tuchhandlung Paul Harrer’s Erben in Züllichau verschrieben, und sie erhielte ihn, nebst einigen andern Sorten, als Aporta – 1817 wurden diese Früchte nun auch von Riga an die Herrn Lee und Lewis Kennedy von Hammersmith, unter dem Namen als Alexander=Apfel nach England gesendet (…) Ich schrieb voriges Jahr an den Herrn Sabiné, Secretair der Horticultural Society of London, daß dieser Apfel in Moskau Aporta genannt würde, und erhielte zur Antwort, daß dieses der Societät bekannt wäre, der Apfel sey aber nun einmal unter dem Namen als Alexander in England bekannt, und auf= und angenommen, so, daß auch ich diesen hohen, so allverehrten Namen beibehalten habe.“

Diel beschreibt die Apfelsorte wie folgt: „Ein wahrer prachtvoller, sehr großer vortrefflicher Herbstapfel von einem recht angenehmen Himbeergeschmack. Die Grundfarbe der zarten, geschmeidigen, aber nicht fettig anzufühlenden Schale ist ein grünliches Strohweiß, das mit der Zeitigung ein blasses Hellgelb wird. Die Frucht hat einen starken violenartigen Geruch und welkt nicht. Das Fleisch ist schön weiß, locker, saftig, markicht und von einem angenehmen, gewürzhaften, fein himbeerartigen, weinichten Zuckergeschmack. Die Frucht zeitigt im November, hält sich aber wohl nicht durch den Winter. Vom ersten Rang.“

Aufgrund seiner Größe und Schönheit hat sich der Alexanderapfel auch als Schaufrucht etablieren können. Kurzum, ein guter Tafel-, Wirtschafts- und Ausstellungsapfel.

Gute Appeltit!

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Foto: Me, myself & I (2011)

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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