→ Der Wilde Alexander: Auf vollen Touren

Der Wilde Alexander im Codex Manesse

Der Wilde Alexander winkt seinen Fans. (Codex Manesse)

Auch im Mittelalter gab es Sänger, die durch die Gegend tourten, ihr Publikum mit den neuesten Smash-Hits unterhielten und holde Groupies in ihren Bann zogen. Der bekannteste unter ihnen ist sicherlich Walther von der Vogelweide, aber der coolste Minnesänger überhaupt war Der Wilde Alexander.

auch: Alexander der Wilde
* vor 1247
† nach 1288

Sie hatten Künstlernamen wie Tannhäuser, Frauenlob, Neidhart, Muskatblut, Der Marner, Der Püller oder Rumelant von Sachsen. Sie traten meist vor gehobenem Publikum auf, denn das zahlte am besten. Ihr Metier war die Minne, also das keusche Umwerben adeliger Burgfrolleins mit schmachtender Liebeslyrik. Oder die Sangspruchdichtung, das meint den gesungenen Vortrag von lehrhaften Texten – wie Jonathan Richman im Intro zu „Verrückt nach Mary“. Also hört gut zu, Freunde!

Laut Google unsterblich: Alexander der Wilde.

Der Wilde Alexander war ein fahrender Dichtersmann des Hochmittelalters. Über den Minnesänger und sein Leben ist kaum mehr bekannt, als uns seine Dichtkunst verrät. Überbleibsel seiner Lyrik wurden sowohl in der Manessischen als auch der Jenaer Liederhandschrift überliefert, einer Art mittelalterlicher Backkataloge. Seine Formulierungen deuten auf eine alemannische oder eine Schweizer Herkunft hin.

Der Wilde Alexander wurde erstmals 1247 und letztmalig 1288 in Dokumenten erwähnt. Ein allegorischer Spruch, in dem er sich auf die Ehe zwischen dem deutschen König Wilhelm von Holland (1254-1256) und Elisabeth von Braunschweig bezieht, liefert einen weiteren Anhaltspunkt zu seinen Lebensdaten. Ebenso wie seine Zeitgenossen der Tannhäuser und Walther von der Vogelweide beschäftigte sich Alexander neben dem Minnesang auch mit der Sangspruchdichtung.

Auf einer Miniatur im reich illustrierten Codex Manesse wird Der Wilde Alexander als Reiter in einem roten Mantel und auf einem fliehenden Pferd dargestellt. Er stürmt nach vorn, schaut aber gleichzeitig zurück und winkt dabei drei Menschen, die auf den Zinnen einer Burg stehen und Abschied von ihm nehmen. Die Jenaer Liederhandschrift bezeichnet ihn als „Meister Alexander“, obwohl er nicht zu den Meistersingern zählt.

Es ist nicht klar, ob Alexander dem niederen Adel angehörte, aber seine allegorischen Gedichte voller Anspielungen lassen auf einen hohen Bildungsgrad schließen. Wie auch immer, als umherziehender Sänger war Der Wilde Alexander von der Gunst seiner Auftraggeber und Fans abhängig. Die rege Reisetätigkeit führte dann wohl auch zu dem sprechenden Namen.

Zu den fünf – inklusive Noten – erhaltenen Hits aus der Jenaer Liederhandschrift gehören:

„Hie bevorn dô wir kinder wâren – Als wir noch Kinder waren“ (Erdbeerlied)
„Owê daz nach liebe gât – O Weh, was nach der Liebe kommt“ (Minnesang)
„Mín trûreclîchez klagen – Mein wehvolles Klagen“ (Minneleich)
„Eyn wunder in der werlde vert – Ein Wunder werde in der Welt“ (Weihnachtslied)
„Sîôn, trûre – Zion, trauere“ (Zionslied)

Nur im Codex Manesse – und darum ohne Noten – ist sein Frühlingslied „Der meie ist kommen gar wunneklich – Der Mai ist gekommen“ überliefert. Darin setzt Alexander seine Angebetete mit dem Ostertag, dem Fest der Auferstehung, gleich. Die Holde ist ihm Lilienschein und Balsamduft zugleich und „got hat ir lib gebildet wol“. Die Interpretation mit dem Bezug zur Auferstehung mag jeder für sich selbst finden.
~

Erdbeerlied

Hie vor dô wir kinder wâren
und diu zît was in den jâren
daz wir liefen ûf die wisen
her von jenen wider ze disen,
dâ wir under stunden
vîol vunden,
dâ siht man nu rinder bisen.

Eine Übersetzung ins Hochdeutsche gibt es hier.

Über andileser

Ich bin außer mir.
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Eine Antwort zu → Der Wilde Alexander: Auf vollen Touren

  1. arnoldnuremberg schreibt:

    Besten Dank für diesen Beitrag mit guten Wünschen zur Erdbeer- und Kirschenzeit!

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