→ Sawney Bean: Mensch, schmeckt das gut!

Alexander ›Sawney‹ Bean war das legendäre Oberhaupt einer schottischen Kannibalenfamilie. Es wird behauptet, dass er, seine Frau sowie ihre 46 Kinder und Enkel über 1000 Menschen getötet und gegessen haben.

Illustration Kannibalismus (Wikipedia)

Illustration Kannibalismus (Quelle: Wikipedia)

Alexander Bean aka Sawney Bean
* vor 1400 in East Lothian
† nach 1400 in London

Sawney Bean und seine hungrige Großfamilie lebten im 15. Jahrhundert an der Südwestküste Schottlands und sollen dort ihr Unwesen getrieben haben. Der gelernte Gärtner und sein Weib ›Black Agnes Douglas‹ hatten ihre Heimatstadt an der Ostküste verlassen müssen und hausten fortan in einer Höhle am Meer. Während der Flut war der Höhleneingang vom Wasser verschlossen. Niemand kam hinein oder hinaus. Anfänglich betrieben Sawney Bean und seine Frau lediglich Wegelagerei. Mit der Zeit bekamen sie acht Söhne, sechs Töchter und durch inzestuöse Beziehungen auch 32 Enkel, was den Bedarf an Nahrung, Kleidung und Geld sprunghaft erhöhte. In kleinen Gruppen lauerten die Beans nun Reisenden auf, überwältigten und töteten sie. Die Leichen wurden in die Höhle geschleppt, ausgebeint und zubereitet. Durch Räuchern oder Pökeln wurden Reste haltbar gemacht und Vorräte angelegt. Um die 1000 Menschen sollen auf diese Weise verschwunden und verwurstet worden sein.

Im Jahr 1435 griffen die Beans ein reitendes Paar an, das von einem Jahrmarkt heimkehrte. Die Frau wurde vom Pferd gezerrt und sogleich getötet, doch der Mann konnte sich zur Wehr setzen. Weitere heimreisende Händler eilten zu Hilfe. Nun war man der Familienbande auf den Fersen. Als ein Suchtrupp die Höhle am Meer entdeckte, hingen menschliche Körperteile von der Decke und überall lagen menschliche Gebeine. Die Familienmitglieder wurden anhand dieser Beweise zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Es gibt Menschen, vor allem Historiker, die behaupten, Sawney Bean habe niemals existiert. Sie sagen, es gäbe weder Akten noch Urkunden noch Tagebucheinträge von Zeitgenossen, die diesen aufsehenerregenden Fall erwähnen. Zwar habe es in Zeiten von Hungersnöten Fälle von Kannibalismus gegeben, aber nicht in diesen Ausmaßen. Manche meinen sogar, die Horrorstory sei nur erfunden worden, um die Schotten als rohes Völkchen darzustellen. Dazu muss man wissen, dass damals ›Sawney‹ oder ›Sandy‹ gebräuchliche Spitznamen für alle Schotten waren. Beides sind Kurzformen für den in Schottland äußerst beliebten Vornamen Alexander, den schon drei schottische Könige trugen (gälisch: Alasdair oder Alistair).

Die Geschichte von Sawney Bean und seiner Horrorfamilie tauchte zuallererst im Newgate Calendar auf, einem Bulletin des 18. Jahrhunderts, das Insassen und Hinrichtungen des berüchtigten Newgate-Gefängnisses in London beschrieb. Was früher Reisende verschreckte, zieht heute Touristen an und wird von Edinburghs Tourismusindustrie fleißig als Folklore gepflegt. Das zeigt: Menschen sehnen sich nach Gruselgeschichten, solange sie ihnen nicht passieren.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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3 Antworten zu → Sawney Bean: Mensch, schmeckt das gut!

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