→ Magic Alex: Der Zauberer der Beatles

Der griechische Fernsehtechniker Alexis Mardas lernte die Beatles während ihrer psychedelischen Phase kennen. Er gehörte schnell zum festen Umfeld der Pilzköpfe und wurde der erste Angestellte ihrer Multimedia-Unternehmung Apple Corps.

bürgerlich: Alexandros-Ioannis Mardas
* 5. Mai 1942 in Athen, Griechenland
† 13. Januar 2017 in Athen, Griechenland

Alexandros-Ioannis Mardas hatte Fernsehtechniker gelernt, sah aber in seiner rückständigen Heimat für sich keine Zukunft. Der 23-jährige Grieche wollte ins hippe London, um in der gerade erwachenden Hauptstadt der Popkultur seine Chance zu ergreifen. Und die bot sich ihm prompt, denn Alexis lief dem gleichaltrigen Brian Jones über den Weg. Der Gründer der Rolling Stones engagierte den technisch versierten Griechen für Live-Auftritte seiner aufstrebenden Bluescombo. Alexis, der sich fortan Alex nannte, sollte die Lightshow auf die Musik abstimmen.

Im Dunstkreis der Stones trifft Alex auf den Galeristen John Dunbar. Der betreibt die Indica Gallery, eine Kunstgalerie mit Buchladen im Untergeschoss. Auch die Beatles gehen hier ein und aus, denn Paul McCartney ist finanziell an dem Projekt beteiligt. Als Alex seine technischen Spielereien ausstellen und vorführen darf, lernt er John Lennon kennen. Lennon hat gerade bewusstseinserweiternde Substanzen für sich entdeckt und ist darum leicht zu beeindrucken. Besonders hat es ihm die „Nothing Box“ angetan, die für £25 zu haben ist. In einer beigefügten dadaistischen Anzeige wird die Box wie folgt beworben:

„Diese Box blinkt und das ist auch schon alles. Sie können sie nicht ausschalten, außer Sie nehmen eine Axt zu Hilfe. Die acht Leuchtdioden blinken ohne erkennbare Reihenfolge ein Jahr lang. Dann ist die Box tot wie eine Makrele und kann nicht mehr repariert werden.“

Der „Nowhere Man“ erwirbt sogleich ein Exemplar und tauft deren Erfinder „Magic Alex“. Fortan gehört der schnurrbärtige Grieche zur Entourage der Pilzköpfe und wird persönlicher Assistent. Als die Beatles aus einer Laune heraus beschließen, eine griechische Urlaubsinsel zu kaufen, führt Magic Alex die Verhandlungen. Als die Beatles auf die Magical Mystery Tour gehen, unterhält Magic Alex die Reisenden mit Volksliedern. Als die Beatles den Maharishi im Himalaya besuchen, sitzt Magic Alex mit im Flieger. Und als die Beatles ihre Multimedia-Unternehmung Apple Corps gründen, wird Magic Alex Abteilungsleiter von Apple Electronics.

Am Boston Place bekommt er eigens eine Werkstatt, wo er für £40 die Woche als verrücktes Genie mit wirrem Haar die ausgefallensten Ideen umsetzen soll. In der Theorie klappt das auch ganz gut. So konzipiert er beispielsweise „elektrische Farbe“, die sich den Gegebenheiten entsprechend anpasst. Mit dieser Weltneuheit könnte George Harrisons Ferrari bei jedem Gang die Farbe ändern. Beim Beschleunigen wäre die Karosserie grasgrün, beim Abbremsen würde sie leuchtend rot. Aus Lennons Fahrzeug will er sogar eine schwebende Untertasse machen. Alles scheint möglich in den psychedelischen Sechzigern.

George Harrison überträgt ihm schließlich die praktische Aufgabe, im Keller von Apple Corps in der Savile Row ein hochmodernes Aufnahmestudio mit 72 Tonspuren einzurichten. Magic Alex zaubert wieder, und die Band kommt sie aus dem Staunen nicht heraus. Das Aufnahmestudio ist nicht, wie üblich, mit dem Kontrollraum verbunden; die Heizungsanlage stört die Aufnahmen, weil die Schalldämmung fehlt; und das selbst gebastelte Mischpult gibt nach dem Einschalten seinen Geist auf. George Harrison nannte das Studio später ein „Desaster“. In einer Gegendarstellung für die New York Times 2010 widersprach Magic Alex dieser Behauptung. Das Mischpult habe sehr wohl funktioniert, nur stand dieses noch in der Werkstatt am Boston Place. Im Keller der Savile Row hingegen sei er nie gewesen!

Erst als Allen Klein das Management der hochverschuldeten Apple Corps übernahm, zog er Magic Alex den Stecker. Der Zauberer wird entlassen und die Abteilung Apple Electronics aufgelöst. Magic Alex hat aber noch längst nicht ausgezaubert. Unter dem Namen John Mardas arbeitet er für diverse Firmen und gründet schließlich sein eigenes Unternehmen. Armalite Limited spezialisiert sich auf schusssichere Westen und gepanzerte Limousinen. Nach den Morden an Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto (1977) und Italiens Premier Aldo Moro (1978) fragte auch das Bundeskriminalamt nach gepanzerten Wagen und Schusswesten.

Nach 33 Jahren im Ausland kehrte Alexis Mardas wieder in seine griechische Heimat zurück und erwirkte Unterlassungsklagen gegen Zeitungen, die ihn als Scharlatan diffamierten oder anders öffentlich lächerlich machten.

~
I John Alexis Mardas of 23 Kanari Street, Kolonaki, 10673 Athens, Greece make the following statement (Gegendarstellung, New York Times, Februar 2010)

Über andileser

Ich bin außer mir.
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