→ Alex Comfort: Rein in die Komfortzone!

Der Arzt und Freigeist Alex Comfort war Autor mehrerer Dutzend Bücher. Sein Romandebüt gab er bereits mit 18 Jahren, doch erst mit seinem Liebesratgeber „The Joy of Sex“ landete er als 52-jähriger einen weltweiten Bestseller.

Spitzname: Dr. Sex
* 10. Februar 1920 in Palmers Green, London
† 26. März 2000 in Oxford, England

Ein Sprichwort lautet: Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh – gedeihen selten oder nie. Alex Comfort war der Sohn eines Marineoffiziers und einer Lehrerin. Als Kind rannte Alex häufig von zuhause weg und schwänzte die Schule. Im Alter von 14 Jahren verlor der eigensinnige Bengel beim Versuch, aus Feuerwerkskörpern Schießpulver zu gewinnen, die Finger seiner linken Hand, nur der Daumen blieb übrig. Mit 16 Jahren schrieb Alex sein erstes Buch, „The Silver River“, das 1938 bei Chapman & Hall veröffentlicht wurde. Der Roman war von einer Reise inspiriert, die er mit dem Vater nach Südamerika unternommen hatte.

Alex Comfort besuchte das Trinity College der Cambridge Universität und wurde Arzt. Er bewahrte jedoch seinen Widerstandsgeist und engagierte sich in der aufkommenden Friedensbewegung. Infolge einer Demonstration gegen Atomwaffen wurde er 1961 verhaftet und mit dem Philosophen Bertrand Russell in eine Zelle gesteckt, wo die beiden Protestlieder sangen.

Auch schrieb Comfort weiterhin Bücher sowie Gedichte, von denen eines, „One Man’s Hands“ von Pete ‚Where Have All the Flowers Gone‘ Seeger vertont und von Odetta Holmes auf Schallplatte verewigt wurde.

„Ich träume immerzu
von einem Liebeslexikon.
Es läuft nichts in der Richtung,
deshalb träum ich ja davon.“
(Trio: Herz ist Trumpf)

Zu Beginn der Siebzigerjahre haute Dr. Alex Comfort wieder einen raus: „The Joy of Sex: A Gourmet Guide to Lovemaking“. Das Buch wollte „Liebe für Fortgeschrittene“ vermitteln und den Unterschied aufzeigen „zwischen dem Sex, wie ihn die vorige Generation verstand, und dem Sex, wie er sein kann.“ Die Inhalte basierten auf einer Langzeit-Affäre mit dem Kindermädchen der Familie, Jane Henderson, die er nach der Scheidung von seiner Langzeit-Ehefrau Ruth Harris 1973 auch heiratete. (Ihr hatte er noch 1961 seinen Roman „Come Out to Play“ mit den Worten gewidmet: „For Ruth – Who puts ideas into my head“.)

Der Ratgeber kam als Kochbuch daher, nur drehten sich die Rezepte statt ums Essen um Erotik. Die Kapitelüberschriften lauteten „Starters“ (Vorspeisen), „Main Courses“ (Hauptgerichte) und „Sauces & Pickles“ (Soßen & Beilagen) sowie zum Dessert das Kapitel „Probleme“. Zur Illustration gab es Schwarzweißzeichnungen von Chris Foss, auf denen ein nackter Bartträger seine ebenfalls behaarte Partnerin liebkost.

Das Buch erregte Aufmerksamkeit, aber auch Gemüter. Obwohl die Zeiten sich infolge der Pille verändert hatten, war der Büchermarkt solch explizite Ausführungen nicht gewohnt. Im katholischen Irland war das Buch sogar verboten, in den USA hingegen eroberte „Joy of Sex“ die Bestsellerlisten. Mehr als 12 Millionen Kopien gingen weltweit über die Ladentische inklusive der Nachfolger „More Joy of Sex“ und „New Joy of Sex“. Die New York Times bezeichnete das Buch im Nachhinein als „Kaffeetisch-Kamasutra der Babyboomer“.

„Joy of Sex“ erschien nach der Pille, aber vor AIDS. Auch in seinen Formulierungen ist es heute ein wenig überholt, obwohl einige Abschnitte mit bemerkenswert prägnanten Einleitungen versehen sind. Zum Beispiel der Abschnitt Bisexualität: „Alle Menschen sind bisexuell – das heißt sie sind imstande, bis zu einem gewissen Grad auf Menschen beiderlei Geschlechts zu reagieren.“ Tanzen: „Alle Gesellschaftstänze zu zweit sind auf Geschlechtsverkehr ausgerichtet.“ Oder Pornografie: „Bezeichnung für jede Art von Sexliteratur, die jemand verbieten will.“ Blasen und Cunnilingus heißen in der deutsche Ausgabe übrigens „Mundmusik“.

Kleiner Tipp aus der Comfort-Zone: Der Minislip ist die geschickteste Bedeckung des Schamdreiecks; er sollte aus Reinseide sein, denn „Nylon hat die falsche Textur“.

Über andileser

Ich bin außer mir.
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