→ Alexander Selkirk: Der wahre Robinson Crusoe

Die Erstbeschreibung von 1712: „Wherein an Account is given of Mr. Alexander Selkirk, his Manner of living and taming some wild Beasts during the four Years and four Months he liv’d upon the uninhabitated Island of Juan Fernandes.“

Wenn es jemand auf eine einsame Insel verschlägt, wo man sich allein gegen die Wildnis und Wilde behaupten muss, spricht man von einer Robinsonade. Doch eigentlich müsste es Alexiade heißen, denn der echte Robinson Crusoe hieß Alexander Selkirk.

eigentlich: Alexander Salcraig
* 1676 in Lower Largo, Schottland
† 13. Dezember 1721 an Bord der Weymouth (Seebestattung)

Alexander Selkirk war ein schottischer Seefahrer und Querulant. Bereits in Jugendjahren zeigte er eine Veranlagung zu Streitsucht und Ungehorsam. Dieser Charakterzug sollte ihn in Schwierigkeiten bringen, ihm aber auch das Leben retten. Am 27. August 1695 wurde der 19-jährige Selkirk wegen ungebührlichen Verhaltens in der Kirche vor die Gemeindeversammlung geladen. Der junge Mann entzog sich der Strafpredigt, indem er als Matrose anheuerte.

Selkirk segelte unter dem Kommando des berühmt-berüchtigten Freibeuters William Dampier. Der dreimalige Weltumsegler war im Besitz eines Kaperbriefs der britischen Krone, der ihn ermächtigte, französische und spanische Schiffe vor der südamerikanischen Küste zu entern (→ Alexandre Exquemelin). Weil die Beute ausblieb, geriet Selkirk mit Dampier in Streit und wechselte als Navigationsoffizier auf das Begleitschiff Cinque Ports unter der Leitung von Kapitän Thomas Stradling.

Was man so macht auf einsamen Inseln

Im Oktober 1704 erreichte das Schiff den Juan-Fernández-Archipel westlich von Chile und steuerte die größte der unbewohnten Inseln an, um Süßwasser aufzunehmen. Dabei entdeckte Selkirk, dass der Rumpf des Schiffes von Bohrmuscheln stark beschädigt war und keiner Weiterreise standhalten würde. Selkirk versuchte, seine Schiffskameraden zum Bleiben zu überreden und lieber auf ein Rettungsschiff zu warten. Da er als Einziger auf dieser Meinung beharrte, wurde der 28-jährige von seinem jüngeren Kapitän auf der Insel zurückgelassen. Dasselbe hatte Dampier bereits 1681 mit einem renitenten Moskito-Indianer getan, den er am 22. März 1684 gut genährt von ebenjener Insel aufsammeln konnte. Wie sich herausstellte, hatte Selkirk richtig entschieden, denn die Cinque Ports sank kurz darauf vor der Küste Kolumbiens und fast die gesamte Besatzung ertrank.

Alexander Selkirk bei der Ziegenjagd.

Ausgestattet mit etwas Proviant und Zivilisationsbesteck wie Messer, Beil, Muskete, Kessel, Seil, Feuerstein und Tabak richtete sich Alexander Selkirk leidlich in der Wildnis ein. Das Eiland lieferte Beeren und Trinkwasser, dazu gaben die von dem Entdecker Juan Fernández ausgewilderte Ziegen reichlich Fleisch, Milch und Leder. In Momenten der Verzweiflung und Einsamkeit las der Alleingelassene in der Bibel oder zähmte verwilderte Katzen. Als ihn ein britisches Kaperschiff unter dem Kommando von Woodes Rogers am 1. Februar 1709 aufgriff, hatte Alexander Selkirk vier Jahre und vier Monate in völliger Einsamkeit zugebracht.

The Life and Adventures of Alexander Selkirk, the Real Robinson Crusoe (1835).

Der Seemann Edward Cooke, der bei der Bergungsaktion zugegen war, lieferte in seinem Buch „A Voyage to the South Sea and Round the World“ (1712) die erste Beschreibung des Falles. Im Jahr darauf wurde Selkirk von dem angesehenen Journalisten Richard Steele für die Zeitung „The Englishman“ befragt.

Der Schriftsteller Daniel Defoe las die Berichte und verfasste daraufhin sein Buch „Robinson Crusoe“, das 1719 erschien und als Geburtsstunde des englischen Romans gilt. Defoe dehnte den Inselaufenthalt jedoch auf 28 Jahre aus und verlegte das Eiland ins Mündungsgebiet des Orinoco vor der Küste Brasiliens. Auch wurde sein Robinson während des Inseldaseins ein besserer Mensch. Als das Buch erschien, war der Querkopf schon wieder mit dem Gesetz in Konflikt und auf hoher See unterwegs. Der Schottländer starb auf einem Schiff vor der Küste Westafrikas, vermutlich an Gelbfieber.

Zur Ergetzung und Belehrung: Auch Alexander Selkirks Leben wurde für eine Leserschaft aufbereitet und fiktionalisiert.

Aus touristischen Gründen wurden die Juan-Fernández-Inseln 1966 von der chilenischen Regierung umgetauft. Die betreffende Insel Más a Tierra (landnächste Insel) heißt heute Robinson-Crusoe-Insel; die 160 Kilometer entfernte Isla Más Afuera (abgelegenere Insel) bekam den Namen Alexander-Selkirk-Insel, obwohl der nie dort war.

ALEXIKON: Diesen und viele weitere interessante Alexe findest du kompakt und alphabetisch geordnet im ALEXIKON. Das „Sammelsurium für alle, die Alex heißen“, ist im Vergangenheitsverlag erschienen und auf Wunsch in jedem Buchladen erhältlich.

Abbildungen: gemeinfrei

Advertisements

Über andileser

Ich bin außer mir.
Dieser Beitrag wurde unter Alexquisit abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s