Alexanderroman: Alexanders Tauchgang

Royal 20 B XX f. 77v

Nach der Erkundung des Himmelsgewölbes kam die Meerestiefe an die Reihe. Bereits Alexanders Philosophielehrer Aristoteles hatte das Prinzip einer Tauchglocke beschrieben. Im mittelalterlichen Alexanderroman des Erzpriesters Leo von Neapel geht der wissensdurstige Macedone wie folgt auf Tauchstation.

„Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.“ (Aristoteles)

„Daraufhin erwuchs in Alexanders Herzen der Wunsch, dem Meeresboden auf den Grund zu gehen und zu erkunden, welche Tierarten es dort gäbe. Da hieß er Glasmacher zu sich kommen und befahl ihnen, ein Fass aus kristallklarem Glas zu machen, damit er alles unter Wasser deutlich erkennen könne.

Alexanders Soldaten lassen das gläserne Fass hinab.

Daraufhin ließ er das Fass an Eisenketten von dreihundertacht Klaftern Länge schmieden und die stärksten Soldaten es halten. Er selbst stieg hinein, ließ den Deckel verschließen und mit Pech abdichten; sodann tauchte Alexander auf den Meeresgrund hinab.

»Alexander in der Tauchglocke« (British Library)

Dort sah er Fische von vielerlei Gestalt und mannigfaltiger Färbung, aber auch Wesen, die den Tieren des Festlandes glichen und mit den Füßen auf dem Meeresboden liefen wie die Tiere auf dem Lande. Dort gab es Seekühe, Seelöwen, Seehasen, Seepferde, Seehunde, Seeelefanten und Seeigel. Sie fraßen Seegras, Seegurken und die Früchte der Bäume, die in der Tiefe der See wachsen. Diese Tiere näherten sich ihm an und flohen ihn wieder.

Allerlei Unterwasserkreaturen.

Er sah dort auch andere wunderbare Dinge, doch wollte er niemandem davon erzählen, weil die Menschen es doch nicht geglaubt hätten. Als er aber lange genug unter Wasser gewesen war, zogen ihn die Soldaten zu der Zeit, die Alexander vorher festgesetzt hatte, wieder hinauf.“

Das Leben auf dem Meeresgrund ähnelt dem an Land: Die großen Fische fressen auch hier die kleinen.

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Ich bin außer mir.
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