→ Alessandro Striggio: Höret den seligen Gesang

Alessandro Striggio war als Diplomat und Komponist für die ultrareiche Florentiner Kaufmannsfamilie der Medici aktiv. Die meisten seiner Kompositionen sind verloren gegangen, aber eine wiedergefundene kleine Vokalmusik schlägt alle Rekorde.

Alessandro Striggio der Ältere
* um 1536/40 in Mantua
† 29. Februar 1592 in Mantua

Heute wage ich mich auf ein Terrain, das mir völlig unvertraut ist: die Vokalmusik der italienischen Renaissance (Renascimento). Es geht um eine Komposition des Edelmannes Alessandro Striggio aus Mantua, genannt der Ältere, der im Dienste der Florentiner Kaufmannsfamilie Medici Motetten, Madrigale und Zwischenspiele komponierte. Die Medici waren mit Textilhandel und Bankgeschäften vermögend geworden und konnten daraufhin große Summen für Paläste, Gemälde (→ Alessandro Botticelli) und Auftragsmusik ausgeben.

Ebenso wie seine Landsleute Alessandro Scarlatti, Alessandro Stradella und Alessandro Marcello hat auch Alessandro Striggio eine Lebensgeschichte, die uns hier allerdinx nicht interessiert. Vielmehr geht es um seine Motette „Ecce beatam lucem“ („Seht das gesegnete Licht“) von 1561. Eine Motette ist eine kirchliche Vokalmusik, die menschliche Stimme steht als „Instrument“ im Mittelpunkt.

Das keine zehn Minuten dauernde Stück galt lange Zeit als verschollen. Bis es der britische Musikwissenschaftler Davitt Moroney um die Jahrtausendwende in der Bibliothèque Nationale de Paris wiederentdeckte. Dort war es seinerzeit als vierstimmiges Werk ein- und einem gewissen „Strusco“ zugeordnet worden. Also diese Franzosen!

In Wirklichkeit besteht „Ecce beatam lucem“ aus 40 individuellen Stimmen, d.h. jeder der 40 Sänger hat seine eigene Notenspur. Die Wikipedia weiß mehr: „Die Motette ist mehrchörig gesetzt; sie umfasst vier Chöre von jeweils sechzehn, zehn, acht und sechs Stimmen, die räumlich voneinander getrennt aufgestellt sind.“ Damit stellt diese austarierte Komposition das bedeutendste polyphone Werk der Renaissancemusik dar.

Der Auftakt klingt für mich ein wenig nach „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, aber nur kurz. Ihre Erstaufführung erlebte „Ecce beatam lucem“ wahrscheinlich anlässlich des Besuchs von Kardinal Ippolito d’Este in Florenz im Juli 1561 oder aber einer fürstlichen Hochzeit. Danach wurde die Motette in Variationen noch mehrmals aufgeführt und dann erstmal 400 Jahre nicht mehr. Dank Youtube und Decca kann die Zeitkonserve jetzt nachgehört werden.

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Über andileser

Ich bin außer mir.
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2 Antworten zu → Alessandro Striggio: Höret den seligen Gesang

  1. arnoldnuremberg schreibt:

    Danke für eine wunderbare alte Musik mit eindrucksvollen Aufnahmen, passend zu frohen Feiertagen. Schöne Grüße

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