→ Alexander Woskressenski: Gottes Speise für alle

So eine Marke! A. A. Woskressenski.


Schokolade ist eine göttliche Speise, denn in der Schokolade steckt Kakao. Und im „Kaukau“ steckt Theobromin, ein Alkaloid, das glücklich macht. Alexander Woskressenski hat das schokoladige Theobromin entdeckt.

Александр Абрамович Воскресенский
Alexander Abramowitsch Voskresenskij
* 7. Dezember 1809 in Torschok, Russland
† 2. Februar 1880 in St. Petersburg

Der Vater des kleinen Alexander, Abram Woskressenski, war ein orthodoxer Pope. Woskressenski bedeutet übrigens „der Auferstandene“. Abram starb, als Sascha vier Jahre alt war. Alexander wollte seinerseits wissen, woraus die Schöpfung im Grunde besteht und studierte darum in St. Petersburg, Berlin und Gießen das neu aufkommende Fach der Chemie. In Berlin lernte Alexander bei Eilhard Mitscherlich und in Gießen bei Justus von Liebig.

In St. Petersburg blieb Alexander Woskressenski bei der organischen Chemie und beschäftigte sich mit dem „Braunen Gold“ der Azteken. Koffein und Thein (Schwarztee) waren bereits entschlüsselt, aber auch im Kakao schlummerte ein pflanzlicher Muntermacher. Woskressenski kratzte die Kerne aus den Kakaobohnen und isolierte daraus ein Alkaloid, das er Theobromin taufte, nach dem griechischen theos für „Gott“ und broma für „Speise“. Keine Götterspeise, nein, eine „Gottesspeise“ musste es für den Priestersohn sein!

In den von Justus von Liebig herausgegebenen „Annalen der Chemie und Pharmacie“ steht in Band XLI ein Aufsatz von einem gewissen A. Woskresensky, der hat den Titel „Ueber das Theobromin“:

„Nachdem die Anwesenheit des Caffeins in beiden so verschiedenen Pflanzen einmal erkannt war, lag es sehr nahe denselben Stoff oder wenigstens einen ähnlichen in der Cacaobohne zu suchen, deren schwach bitterer Geschmack vollkommen an das Bitter des Caffeins erinnert, und die auch die Haupteigenschaft des Caffeins, die anregende Kraft, besitzt…“

Mittels Wasser und Alkohol löste sich aus den Kakaobohnen ein weißes kristallines Pulver:

„Beim ersten Anblick erkennt man leicht, dass es kein Caffein, sondern ein eigenthümlicher Körper ist, den ich Theobromin nennen will. Es ist in krystallinisches Pulver, von schwach bitterem, dem des Caffeins und der Cacao selbst ganz entsprechenden Geschmack.“

Woskressenski hatte bei der Namensgebung aber nicht das göttliche vanillig-würzige Aroma im Sinn. Er hielt Theobromin einfach aufgrund seines hohen Stickstoffgehalts für „eine der nährendsten Pflanzensubstanzen“ überhaupt. Ob er Schokolade damit zum Grundnahrungsmittel erheben wollte, ist nicht überliefert. Auch der preußische Universalgebildete Alexander von Humboldt war der Ansicht: „Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne.“ Wie auch immer, Kakao ist jedenfalls reich an Magnesium und Eisen. Vielleicht sind aus diesem Grund so viele Vegetarier Naschkatzen.

Heute wissen wir, dass das in Kakaobohnen enthaltene Theobromin für die meisten Tiere giftig ist, beim Menschen jedoch stimmungsaufhellend und muskelentspannend wirkt und sogar die Konzentration erhöht. Wenn uns nach Schokolade verlangt, wollen wir eigentlich keinen Zucker (von wegen „Nervennahrung“), sondern Theobromin. Ab drei Kilogramm Schokolade täglich geht man übrigens von einer Sucht aus. Für Hunde hingegen kann bereits ein Schokoriegel oder eine Katzenzunge tödlich sein, da sie das Alkaloid nicht verstoffwechseln können.

In Russland wurde Woskressenski der Lehrer von Nikolai Nikolajewitsch Beketow, Nikolai Alexandrowitsch Menschutkin und Nikolai Nikolajewitsch Sokolow (man beachte den Einfluss des russischen Zaren Nikolaus auf die Namenwahl). Laut Wikipedia trägt er darum den wenig schmeichelhaften Beinamen „Großvater der russischen Chemiker“.

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