→ Alexander Polli: Batman im geflügelten Anzug

Alexander Polli war im Jahr 2013 weltweit bekannt geworden, weil er aus einem Helikopter sprang und im Wingsuite durch ein wenige Meter breites Felsloch rauschte. Bei seinem Stunt erreichte der erfahrene Basejumper eine Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern.


* 26. Juni 1985 in Oslo, Norwegen
† 22. August 2016 in Chamonix-Mont-Blanc (Brévent), Frankreich

Otto Lilienthal war der erste Mensch, der die Schwerkraft aushebelte und den freien Fall auf einen eleganten Gleitflug ausdehnte. Lilienthal startete von einer Anhöhe aus und segelte mit seinem selbstgebauten Gleitflieger auf einem Luftpolster verzögert zu Boden. Was hätte Lilienthal wohl zu einem Wingsuite, zum Fledermausanzug, gesagt? Der Wingsuite ist eine relativ neue Erfindung. Durch spezielle Öffnungen plustert sich der Anzug während des Fluges auf und eine Stoffhaut am Rumpf verwandelt die Arme in Flügel. Mit dem Flügelanzug ist es erstmals möglich, ohne starre Konstruktionen durch die Lüfte zu gleiten. Allerdings ist auch hier eine gewisse Ausgangshöhe notwendig, denn der Flug führt immer nur nach unten. Am Ende muss ein Fallschirm ausgelöst werden, um den rasanten Fall abzubremsen. Für den Start gibt es zwei Möglichkeiten: den Absprung aus einem Flugzeug, Helikopter oder Heißluftballon – Skydive genannt – oder den Basejump von einer ausreichend hohen Felswand.

Ein Meister des Basejumping war der Italo-Norweger Alexander Polli. Es verging beinahe kein Tag, den Polli nicht für einen „Kurzstreckenflug“ nutzte. Nur zu diesem Zweck war er aus Norwegen in die Alpen gezogen, denn das Gebirge mit seinen hohen und schroffen Felsvorsprüngen bietet Basejumpern aus aller Welt beste Absprungbedingungen. Übung macht bekanntlich den Meister und schnell traute sich Polli immer waghalsigere Jumps zu. Er sprang rückwärts, ließ sich in eine dicke Nebeldecke fallen, drehte Pirouetten, streifte einen Wasserfall, näherte sich Felswänden bis auf wenige Meter, düste durch enge Schluchten oder hüpfte Hand in Hand zu zweit in den Abgrund. Die Basejumps wurden mit Helmkameras gefilmt und die spektakulärsten Bilder auf Youtube hochgeladen.


Alexander Pollis größter Coup war der Flug durch ein schmales Loch in einer Felswand. In den Bergen Kataloniens hatte der Alextremsportler ein knapp sieben Meter breites Nadelöhr ausgemacht und beschlossen: durch diese hohle Öffnung muss er kommen. Da es an geeigneten Absprungmöglichkeiten in der Umgebung mangelte, hüpfte Polli aus einem Hubschrauber in die Tiefe und schoss mit 250 Stundenkilometern durch das schmale Felsloch. Das gefilmte Ergebnis steht auf Youtube und wurde bisher über 14 Millionen mal angeklickt. Doch davon hat der Fledermausmann nun nichts mehr. Wie Otto Lilienthal träumte Alexander Polli vom Fliegen, und wie Otto Lilienthal bezahlte er diesen Traum mit seinem Leben.

Auch wenn es heißt, es sei noch kein Meister vom Himmel gefallen, beim Extremsport im Flügelanzug passiert das häufiger. Eine kleine Unachtsamkeit, ein winziger Irrtum in der Ausführung, ein unverhoffter Luftwirbel oder gar ein Materialfehler – und schon ist alles aus und vorbei, endgültig. Für Polli kam das Ende an einem Montag im August. Der 31-jährige Basejumper war in der Nähe von Chamonix gegen einen Baum geprallt und kurz danach verstorben. Nur wenige Tage zuvor, am 17. August 2016, war sein gleichaltriger Freund und Kollege Uli Emanuele im berühmt-berüchtigten Lauterbrunnental in der Schweiz gegen eine Felswand geprallt und tödlich verunglückt.

In einem Zeit-Interview vom Mai 2013 sagte Polli: „Unfälle passieren immer aufgrund von Fehleinschätzungen. Die größte Fehlerquelle ist jedoch das Verhalten vor dem Flug: Es macht einen großen Unterschied, ob man angespannt ist oder locker.“

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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