→ Alexander Roda Roda mit der Roda-roten Weste

Roda Roda im Berliner Wintergarten

Werbeplakat von Stephan Krotowski (gemeinfrei)


Aktuell ist der Schriftsteller und Satiriker Alexander Roda Roda, der auch einige Jahre in Berlin gelebt hat, mein Lieblingsalex. Er war ein Meister der Kurzprosa und hat der Weltliteratur eine Fülle an humorvollen Aphorismen, Witzen, Schwänken und Kurzgeschichten hinterlassen.

bürgerlich: Sándor Friedrich Rosenfeld
* 13. April 1872 in Drnowitz, Mähren
† 20. August 1945 in New York City

Alexander Roda Roda stammte aus Österreich-Ungarn, einem Vielvölkerstaat, was sich auch in seinem bürgerlichen Namen abzeichnet: Sándor Rosenfeld. Der Vorname (sprich Schandor) ist die ungarische Form von Alexander, der Familienname klingt deutsch, aber eigentlich waren die Rosenfelds Juden. Geboren wurde Sándor in Mähren, das inzwischen zur Tschechischen Republik gehört, aufgewachsen ist er jedoch in Slawonien, das heute ein Teil Kroatiens ist.

Um in der kroatischen Heimat nicht sofort als Juden identifiziert zu werden, nannte sich die Familie inoffiziell „Roda“, was im Serbokroatischen Storch bedeutet; auf dem Schornstein des Hauses befand sich ein Storchennest. Obendrein trat Alexander mit 22 Jahren zum katholischen Glauben über und verpflichtete sich zu einer zwölfjährigen Militärkarriere.

Bereits während seines Militärdienstes schrieb er seine „Slavonischen Dorfgeschichten“ und veröffentlichte ab 1900 in der Satirezeitschrift Simplicissimus. Da sich Satiren und Marschieren nicht lange vertrugen, ließ er sich 1901 als Oberleutnant in die Reserve versetzen. Im Jahr 1904 übersiedelte er nach Berlin und 1906 nach München, wo er sich sein Schriftstellerpseudonym Alexander Roda Roda standesamtlich eintragen ließ. Von 1911 bis 14 verfasste er zusammen mit seinem Landsmann Gustav Meyrink („Der Golem“, „Des deutschen Spießers Wunderhorn“) fünf Komödien. Während des Ersten Weltkriegs bereiste Roda Roda als Journalist und Militärberichterstatter die Kriegsschauplätze auf dem Balkan und kam bis zum Bosporus.

Von 1920 bis 1933 wohnte der studierte Jurist und ehemalige k.-u.-k.-Offizier wieder in Berlin. Später sagte er mal: „Wenn ich nochmals auf die Welt komme, suche ich mir einen Beruf, wo ich in Berlin wohnen kann, in Paris leben und in Wien essen.“ Als seine erfolgreiche Komödie „Der Feldherrenhügel“ 1926 als Stummfilm und 1932 als Tonfilm adaptiert wurde, übernahm er jeweils die Rolle des Korpskommandanten.

Den Holocaust überlebte Roda Roda im US-amerikanischen Exil, wo er 1945 starb. Sein Markenzeichen war eine Roda-rote Weste (bei Hans-Dietrich Genscher war es der gelbe Pullunder), in der er auch beerdigt wurde. Er gilt als Erfinder des Kofferwortes „Schwabylon“. Wer die Bücher von Joseph Roth mag, ist mit Roda Roth gut bedient. Seit einigen Jahren ist sein Werk gemeinfrei.

Hier eine Auswahl seiner geistreichsten Aphorismen

„Auf den pünktlichen Menschen lastet ein Fluch: sie müssen auf die unpünktlichen warten.“

„Die Menschheit zerfällt in zwei Teile:
der erste drückt sich falsch aus,
und der zweite missversteht es.“

„Die Wahrheit hat es mit dem Hundedreck gemein: sie liegt immer in der Mitte.“

„Mit etwas Anstrengung lässt sich alles auf dieser Welt geheim halten – ausgenommen Knoblauch.“

„Wenn man nach einem Festessen die Gastgeberin auf beide Wangen küsst, erspart man sich die Serviette.“

„Aus einem Buch abschreiben, gibt: ein Plagiat.
Aus zwei Büchern abschreiben, gibt: einen Essay.
Aus drei Büchern wird: eine Doktordissertation.
Aus vier Büchern: ein fünftes gelehrtes Buch.“

Über andileser

Ich bin außer mir.
Dieser Beitrag wurde unter Alexquisit abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s