→ Alessandro Orologio: Der Uhr-Alexander

Alessandro Orologio war ein italienischer Komponist in deutschen Diensten. Obwohl Instrumentalist am Hofe Kaiser Rudolf II., war er so viel unterwegs, dass Forscher einige Zeit dachten, es gäbe zwei Musiker gleichen Namens.

Ursprünglich: Allessandro da Aurava
Latein: Alexander Horologius
* 14. Januar 1555 in Aurava di San Giorgio della Richinvelda, Venetien
† zwischen Februar und 29. Oktober 1633 in Wien, Österreich

Alessandro – oder Allessandro, wie man oft liest, weil so geschrieben wie im italienischen gesprochen – kam in der norditalienischen Region Venetien zur Welt. Es war eine Zeit allgemeiner Umbrüche. Das Mittelalter trat in die Neuzeit ein, die Reformation schlug sich mit der Gegenreformation herum, und aus der Renaissance entwickelte sich der Barock. Viel ist nicht bekannt über das Leben des Alessandro Orologio, aber immerhin weiß man, wie er zu seinem Namen gekommen ist.

Der Vater, Pellegrino da Aurava, ein kunstfertiger Uhrmacher, bekam im Jahre 1550 den Auftrag, die Turmuhr auf der Piazza San Giovanni (heute Piazza Libertà) im benachbarten Udine in Gang zu setzen. Pellegrino erledigte den Auftrag mit Bravour und sollte sich von Stund an um alle Uhren der Stadt kümmern. Daraufhin zog die Familie von Aurava nach Udine.

Der kleine Alessandro interessierte sich früh für Musik. Darum erhielt er eine musikalische Ausbildung, die er 1573 abschloss. Als der Vater im Jahr darauf starb, musste sein Stammhalter das Uhrmacherhandwerk übernehmen. Der Zugezogene, der bis dato Alessandro da Aurava geheißen hatte, wurde nun Alessandro degli orologi, der mit den Uhren, genannt. Dann änderte er seinen Namen auch offiziell in Alessandro Orologio.

Nachdem der böhmische König Rudolf I. als Rudolf II. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches geworden war, trat Alessandro Orologio an dessen Hof in Prag erstmalig in Erscheinung, und zwar als Trompeter. Das war um 1580. Orologio blieb bis zum Tod von Rudolf im Jahr 1612 in Prag, die letzten zehn Jahre sogar als Vizekapellmeister.

Nebenher reiste und komponierte er viel; er publizierte unter der lateinischen Variante seines Namens, Alexander Horologius. Außerdem weilte er in Dresden, Kassel, München und Wolfenbüttel sowie am dänischen Hof. In Kassel traf er 1594 den englischen Lautenisten John Dowland, einen wahren Downer.

Nach seiner Pensionierung 1613 war er im österreichischen Steyr sowie im benachbarten Garsten tätig. Alessandro Orologio verschied in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Im Februar 1633 hatte er seinen letzten Willen formuliert und war bald darauf in Wien verstorben. Seine heute wohl bekanntesten hinterlassenen Kompositionen sind die „Intradae in omni genere instrumentorum“ (Intrada I-XXVIII), die er für den dänischen König Christian geschrieben hatte.

Über andileser

Ich bin außer mir.
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Eine Antwort zu → Alessandro Orologio: Der Uhr-Alexander

  1. arnoldnuremberg schreibt:

    Was für eine schöne Musik!

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