Aus der Opernwelt: Händeleien mit Alexander

Händel mit König Georg I. auf einer Themsenfahrt.

Händel mit König Georg I. auf einer Themsenfahrt.


Der Barock-Komponist Händel aus Halle hieß zwar nicht Alexander, aber dafür hat er einigen seiner Werke diesen äußerst bezaubernden Namen gegeben.

Damit hat es Händel zwar nicht in die Druckversion des ALEXIKON geschafft (das war dann doch zu weit hergeholt), aber die Arbeit war bereits getan und nun will ich das online nachreichen. Vielleicht interessiert sich ja noch jemand für Opern oder fühlt sich gar dazu inspiriert, diese aufzuführen oder aber seinen Opa zu besuchen. Ich muss gestehen, dass ich mich mit dieser Art der Musik nicht auskenne. Bis auf Alexanders Fest habe ich auch keines der Werke je gehört. Wer Anmerkungen, Korrekturen und/oder Ergänzungen beisteuern möchte, kann das sehr gern tun.
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Alessandro oder: Der hochmüthige Alexander
(Oper in drei Teilen, HWV 21)
* 5. Mai 1726 in King’s Theatre in London

Die Oper Alessandro komponierte Händel für die drei berühmtesten Sänger seiner Zeit. Damals hatten die drei Stimmwunder aus Italien ein Engagement am Londoner Haymarket-Theater. Das Gesangstriumvirat bestand aus Faustina Bordoni, Francesca Cuzzoni und Francesco ›Senesino‹ Bernardi. Händel machte sich sofort daran, ein Werk für diese einzigartige Konstellation (zwei Primadonnen und ein primo uomo) zu schreiben. Das Ergebnis war eine ausgewogene Komposition, die für beide Sopranistinnen exakt dieselbe Anzahl an Arien und Duetten vorsah. Zur Werbung vorab wurde ein ›Zickenkrieg‹ zwischen beiden Sopranistinnen inszeniert; vielleicht war dieser aber auch echt. Die Handlung, die auf einem Libretto von Paolo Antonio Rolli basierte, drehte sich um eine verwickelte Liebesgeschichte, die Shakespeares Sommernachtstraum Konkurrenz hätte machen können:

Der indische König Tassile liebt die skythische Prinzessin Lisaura, die Alexander den Großen liebt, der seinerseits die persische Prinzessin Rossane liebt, die wiederum vom macedonischen Fürsten Cleone umworben wird, der ein Untergebener Alexanders ist. Lisaura und Rossane konkurrieren eifersüchtig um die Gunst und Liebe Alexanders, der beider Avancen erwidert und sie dadurch nur verärgert. Nebenbei wird die belagerte Stadt Ossidraca eingenommen, ein Volksaufstand niedergeschlagen und eine Verschwörung vereitelt. Am Schluss gesteht Alexander der Perserprinzessin Rossane (Roxana) seine Liebe.
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Alexanders Fest oder: Die Macht der Musik
(Ode für Soli, Chor und Orchester, HWV 75)
* 19. Februar 1736 im Covent Garden Theatre in London

Die Überschrift fasst die Handlung ganz gut zusammen. Auf einem Fest wird der willensstarke Alexanders der Große plötzlich zur Marionette einer viel größeren Macht – der Musik. Der Macedone hat mit seinem Heer gerade die Perser bezwungen und feiert im prächtigen Königspalast von Persepolis mit Wein, Weib und Gesang den Sieg. Im ersten Rezitativ heißt es:

Da löst sich der begabte Barde Timotheus aus dem Chor und bringt Alexander auf seiner Lyra ein Loblied nach dem anderen dar. Mit seinem Leierspiel manipuliert er Alexanders Gemüt. Zuerst preist Timotheus Alexanders angeblich göttliche Herkunft. Göttervater Zeus persönlich sei vom Himmel hinabgestiegen, »zeugt er ein Abbild seiner selbst, / den zweiten Herrn der Welt«. Alexander gefällt’s. Und so spielt Timotheus auf der Klaviatur der Gefühle. Nacheinander macht er Alexander wütend, mitleidig und verliebt. Mit den bedeutungsschwangeren Worten »Dir, Liebe, Dank! Doch dir, Musik, sei Preis!« endet der erste Akt.

Im zweiten Akt wird Alexander von lautem Gesang aus seinem Schlummer gerissen. Timotheus hetzt ihn nun gegen die Perser auf: »Nimm Rach‘, nimm Rach‘! // Rache schuldest du / Deinem kühnen Heer!« Eine Fackel wird entzündet und die betrunkene Meute, angeführt von Alexander, steckt den persischen Königspalast in Brand. Dann macht das Werk einen moralischen und chronologischen Schlenker und wird plötzlich zur Ode auf die Heilige Cäcilia von Rom. Cäcilia galt als Patronin der Kirchenmusik. Ganz pathetisch heißt es:

»Dann kam Cäcilia engelsgleich, / Sie schuf der Tonkunst neues Reich; / Vereint die Stimmen zum vollen Chor, / Befreit von Fesseln den Gesang, / Verleiht ihm Kraft und hehren Klang, / Dass feierlich es klingt wie nie gehört zuvor.« Schließlich werden Timotheus und Cäcilia, der Heide und die Heilige, als Musik-Genies auf eine gemeinsame Stufe gestellt: »Beide teilt den Preis: Er zog den Menschen himmelan – den Engel sie herab.«

Die textliche Grundlage des Musikstückes bildet die vielstrophige Dichtung Alexander’s Feast or The Power of Musick (1692) des englischen Dichters John Dryden. Ausgehend von den Schilderungen des Alexander-Biografen Plutarch berichtet Dryden von einem Fest, das Alexander der Große nach seinem Sieg über Dareios in der eroberten Hauptstadt Persepolis abhielt. Unter unklaren Umständen brannte dabei der Palast, ein architektonisches Meisterwerk aus Zedernholz, nieder. Die völlig neuartige Odenkomposition zählte zu Händels populärsten Werken.


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Alessandro Severo
(Pasticcio-Oper, HWV A13)
* 25. Februar 1738 am Haymarket Theatre in London

Alessandro Severo ist eine Händel-Oper von 1738. Hierbei handelt es sich um eines von insgesamt drei Pasticcios aus der Feder des Komponisten. Ein Pasticcio ist eine musikalische Collage, im vorliegenden Fall schnell zusammengeschludert aus Musiken und Arien seiner Opern Giustino, Berenice und Arminio. Lediglich die Ouvertüre und die Rezitative waren neu. Das Pasticcio behandelt die Geschichte des römischen Kaisers → Severus Alexander. Der Oper blieb die Gunst der Zuhörerschaft versagt. Das Stück fiel bei der Uraufführung unter Leitung von Händel persönlich durch und geriet schnell in Vergessenheit.
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Alexander Balus
(Oratorium in drei Teilen, HWV 65)
* 23. März 1748 im Covent Garden Theatre in London

Das Oratorium basiert auf dem Libretto von Thomas Morell, der sich hierbei von dem biblischen 1. Buch der Makkabäer inspirieren ließ. Vorlage für die Figur des Alexander Balus war König Alexander I. Balas (* vor 153 v. Chr., † 145 v. Chr.), ein Usurpator des Seleukidenreiches im Nahen Osten. Wegen der Ähnlichkeit mit seinem Vorgänger Antiochos IV. wurde Balas als dessen Nachfolger eingesetzt. Durch seine wüste Herrschaft wurde er im Volke unbeliebt und schließlich von den Nabatäern ermordet.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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