→ Alex Dukagjini und die albanische Gastfreundschaft

Albanische Alpen, Foto: Alpinfo (CC-BY-SA-3.0)

Albanische Alpen, Foto: Alpinfo (CC-BY-SA-3.0)

Lekë ›Alex‹ Dukagjini war ein legendärer albanischer Fürst, der auf Seiten Skanderbegs gegen die Osmanen kämpfte. Lekë veranlasste außerdem die Sammlung der überlieferten Gewohnheitsrechte der Albaner. Im Zweiten Weltkrieg rettete der ›Kanon des Lekë Dukagjini‹ vielen Juden das Leben.

Lekë III. Dukagjini
* 1410 in Lipjan im Kosovo
† 1481

Albanien war das einzige von der Deutschen Wehrmacht besetzte Land, in dem am Ende des Zweiten Weltkriegs mehr Juden lebten als zu dessen Beginn. Die Gründe dafür sind im Gewohnheitsrecht der albanischen Bergvölker zu suchen. Zum einen herrschte schon unter der Osmanischen Besatzung religiöse Toleranz zwischen Juden und Muslimen. Zum anderen wog die Gastfreundschaft bei den Albanern schwerer als jeder Haftbefehl. Wer einen Gast auslieferte, anstatt ihm Schutz zu gewähren, handelte ehrlos und brachte Schande über sich und seine Sippe:

»Für jeden Freund (mik) musst du den Arbeitstag verlieren, bei eigenem Brot (d.h. du musst dich und ihn aus eigener Tasche ernähren), solltest du auch selbst dabei verarmen, auf dass du dich nicht mit Schande befleckst. Als Freund gilt im weiteren Sinne jeder Schutzsuchende oder Gastfreund.«

Die albanische Gastfreundschaft ist Teil eines mittelalterlichen Gewohnheitsrechts, das vor allem im unwegsamen Gebirge Nordalbaniens die Zeiten überdauerte. Erst im 19. Jahrhundert begann man, den Kodex aufzuschreiben und peu à peu zu publizieren. Der Gesetzeskanon regelte nicht nur den Umgang mit Gästen, sondern auch das Zusammenleben in den Familien, Jagdrecht, Kirchenrecht, Eigentumsdelikte, die Bestrafung von Verbrechen, etc. Problematisch wird der Kanun im Fall der Blutrache, der Kehrseite der Medaille, zu der alle männlichen Familienmitglieder bei Mord oder Ehrverlust verpflichtet sind. Man schätzt, dass seit 1990, als der Kommunismus ein Machtvakuum in Albanien und dem Kosovo hinterließ, rund 10.000 Menschen der Blutrache zum Opfer gefallen sind.

Das gesamte Regelwerk heißt Kanuni i Lekë Dukagjinit, was soviel bedeutet wie ›Kanon des Lekë Dukagjini‹, obwohl der vielleicht gar nichts damit zu tun hat. Vermutlich ließ Lekë das überlieferte Gewohnheitsrecht am Ende des Mittelalters sammeln und ausformulieren. Wahrscheinlicher ist, dass Lekë lediglich als Namenspatron für den Kanun herhalten durfte, denn dieser Fürst galt als wichtiger Bewahrer einer albanischen Identität.

Lekë III. Dukagjini stammte aus einem kosovarischen Adelsgeschlecht. Lekë ist die albanische Kurzform für Alexander, meint also Alex. Den Fürstentitel erbte Lekë 1446 von seinem Vater Pal Dukagjini. Noch heute gibt es im Norden Albaniens eine Region namens Dukagjini (sprich: Dukadschini), die ans Kosovo grenzt. In der Liga von Alessia/Lezhës unterstützte Lekë Dukagjini den Unabhängigkeitskampf Skanderbegs gegen die osmanischen Besatzer. Als Skanderbeg 1468 starb, führte Lekë den Befreiungskampf noch einige Jahre weiter, bis die Liga von Alessia zerfiel. 1478 wurde schließlich ganz Albanien Teil des Osmanischen Reiches, Lekë starb kurze Zeit später.

Wie weit der Name Lekë, also Alex, im mittelalterlichen Albanien verbreitet war, verdeutlicht diese blutige Anekdote:

Lekë Dukagjini und Lekë Zaharia Altisferi, der Prinz von Dagnum, hatten sich dieselbe Frau ausgeguckt: Irene Dushmani, das einzige Kind von Lekë Dushmani, dem Prinzen von Zadrima. Wer diese Frau ehelichte, konnte sein Herrschaftsgebiet um ein wichtiges Fürstentum vergrößern. Ausgerechnet auf der Hochzeitsfeier von Skanderbegs Schwester kam es dann zum Eklat. Die beiden geladenen Prinzen gerieten wegen der anwesenden Irene in Streitigkeiten und konnten nur mit Gewalt auseinander gebracht werden. Zwei Jahre später, 1447, rächte sich unser Held für die erlittene Ehrverletzung und tötete seinen Rivalen Lekë Zaharia aus dem Hinterhalt. Nach dem Kanun hatte er richtig gehandelt…

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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