→ Wo alle Sandy heißen – in Schottland!

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›Alex‹ ist in Schottland ein weit verbreiteter Name. Schuld daran sind drei schottische Könige des Mittelalters: Alexander I., II. und III. Auch der aktuelle Regierungschef heißt Alex. Und dieser Premierminister möchte, dass sich die Schotten am 18. September 2014 von London lossagen.

Alexander war als Vorname in Schottland einst so häufig, dass die Engländer die Jocks im Norden kurzerhand mit der Sammelbezeichnung Sandys abtaten. ›Sandy‹ ist eine gängige Koseform von Alexander/Alexandra, kann aber auch ›sandig‹ bedeuten oder eben ›rotblond‹, eine für die Kaledonier typische Haarfarbe. Es ist kein Zufall, dass das Oberhaupt einer legendären schottischen Kannibalenfamilie vom Erdichter → Alexander Bean getauft wurde. Die Legende des mittelalterlichen Kannibalenhäuptlings war seinerzeit von Engländern ersonnen worden, um die Schotten als hinterwäldlerisch und roh zu diskreditieren. Heute befeuert die Legende den Fremdenverkehr.

Der griechische Name ›Alexander‹ kam dank einer ungarischen Prinzessin ins Land der Scoten. König Malcolm III. hatte die schöne Margareta zu seinem Weib erwählt. Und weil Margareta von Schottland eine fromme Katholikin war, taufte sie einen ihrer Söhne →Alexander – zu Ehren des verstorbenen Papstes Alexander II. († 1073). Zeit seines Lebens blieb Alexander (*1077–1124) der lieben Mutter Kirche zugetan, aber für seinen großen Bruder, König Edgar, war er einfach nur ein unsicherer Kantonist. In seinem Testament bedachte Edgar Alexander darum mit nur einer Reichshälfte; der Teil südlich der Flüsse Clyde und Forth ging an ihren jüngeren Bruder, den Earl David I.

Knapp einhundert Jahre später kam Alexander II. (1214–1249) an die Macht. Dieser König vermählte sich der Tochter des englischen Königs und beendete somit die Grenzstreitigkeiten zwischen England und Schottland. Im Vertrag von York (1237) gelang es ihm sogar, die Grenze zwischen den beiden Nachbarländern festzuschreiben. Blieb nur noch Norwegen, das einige nördliche Inseln in Besitz hatte. Beim Versuch, den Norwegern die Äußeren Hebriden abzuluchsen, kam Alexander II. ums Leben. Der Staffelstab ging an seinen achtjährigen Sohn, König Alexander III. (1249–1286) – frei nach dem Motto: König Alexander ist tot, lang lebe König Alexander!

Alex³ erfüllte die Erwartungen seines Vaters und befreite die Hebriden sowie die Isle of Man von der norwegischen Besatzung. Unter dem Beinamen ›Alexander der Glorreiche‹ ist er in die schottische Geschichtsschreibung eingegangen. Alex³ starb während eines Sturms, als er von seinem scheuen Pferd abgeworfen wurde und die Klippen hinabfiel. Klingt verdächtig nach Mord, wenn ihr mich fragt. Da Alex³ keinen Thronerben hinterließ, kam es in der Folge zu den Schottischen Unabhängigkeitskriegen. Die Wirren dieses Interregnums bis zur Einsetzung von Robert the Bruce wurden übrigens in dem Hollywoodfilm Braveheart (1995) thematisiert. Am 23. und 24. Juni 1314, also heute vor 700 Jahren, konnte Robert I. den Engländern in der Schlacht von Bannockburn eine kräftige Schlappe beibringen und die schottische Unabhängigkeit verteidigen.

Aktuell ist wieder ein Alex Chef der Schotten. Und der hat viel vor. Geht es nach Alex ›Eck‹ Salmond (59), dann sollen seine Landsleute im September 2014 für die Unabhängigkeit Schottlands stimmen. Die Schotten würden dann zwar weiterhin mit Pfunden bezahlen (Währungsunion) und auch die Queen als Staatsoberhaupt behalten (wie die Kanadier, Neuseeländer und Australier), könnten aber fortan selbst entscheiden, welche Steuern sie erheben und was sie mit dem Geld machen. Bisher wurde in London entschieden, wie und wohin die Pfunde purzeln. Dazu der Erste Minister Alex Salmond:

»London ist wie ein schwarzes Loch, das Ressourcen, Talente, Energie aufsaugt und alles andere desolat zurücklässt. Schottische Steuern verschwinden auf Nimmerwiedersehen in Westminster. In Wahrheit wird ein starkes, unabhängiges Schottland dem Vereinigten Königreich zugutekommen.« (Cicero 04/2014)

Die Engländer finden die ganze Aktion verständlicherweise nicht so toll. Sie haben sich im Laufe der letzten 300 Jahre ziemlich dolle an die Rolle eines Vormunds gewöhnt. Im Falle des Falles wollen sie den Schotten das Britische Pfund wegnehmen – die Zentralbank soll englisch bleiben! Doch was verdanken die Engländer und der Rest der Welt den Schotten? Diese Liste gibt einen schmalen Einblick:

– Alexander Bain, Erfinder von elektrischer Uhr, Fax- & Kopiergerät
Alexander Burnes, Reiseschriftsteller und Fernostexperte
– Alexander Graham Bell, (Mit-)Erfinder des Telefons
→ Alexander Cumming, Erfinder des Wasserklosetts mit Siphon
– Sir Alex Ferguson, Fußballtrainer von Manchester United
– Alexander Fleming, Entdecker des Penicillins (Nobelpreisträger)
– Alexander Garden, Kriegsfotograf unter Abraham Lincoln
– Alexander Gardner, Botaniker der Neuen Welt
– Alexander Gordon Laing, Afrikaforscher, erster Europäer in Timbuktu
Alex Graham, Comiczeichner und Erfinder von Wurzel
→ Alexander MacKenzie, Entdecker des Mackenzie River in Kanada
– Alexander Selkirk, Seemann, Vorlage für Robinson Crusoe
– Alexander Trocchi, Schriftsteller, Begründer der ›Spontanen Universität‹
– Alexander Walker, Blender des Whiskeys Johnny Walker.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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2 Antworten zu → Wo alle Sandy heißen – in Schottland!

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