→ Alexander Shulgin: The Godfather of Alecstasy

Niemand auf der Welt hat mehr Drogen genommen. Zumindest hat wohl niemand mehr unterschiedliche Drogen an sich selbst ausprobiert. Viele davon synthetisierte er im eigenen Labor: Dr. Alexander Shulgin, kurz Sasha.

Alexander Theodore Shulgin
* 17. Juni 1925 in Berkeley, Kalifornien
† 2. Juni 2014 in Lafayette, Kalifornien

Alexander Shulgin ist eine Legende. Niemand auf der Welt hat mehr Drogen genommen (laut Alexander Osang). Der kalifornische Biochemiker besaß bis 1994 die staatliche Lizenz, mit Drogen der Verbotsklasse 1 (Schedule I Drugs) zu arbeiten. Manche nennen ihn Vater, andere den Paten von Ecstasy, der sagenhaften Tanzdroge der Neunziger.

3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin — besser aussprechbar: MDMA — hat er lediglich wieder-, oder sagen wir neu entdeckt. Die Pharmafirma Merck hatte MDMA bereits 1912 patentiert und als Blutverdünner angeboten, aber dann rasch wieder vom Markt genommen. Die Nebenwirkungen. Am 8. September 1976 probierte Alexander Shulgin sein erstes im eigenen Labor hergestelltes MDMA und entdeckte die Nebenwirkungen als eigentlichen Effekt:

»16 Milligramm, keine Wirkung. Man fängt mit kleinen Dosen an. Dann 25 Milligramm, kein Effekt. 40 Milligramm, kein Effekt. 60 Milligramm, kein Effekt. Am 27. September habe ich dann schon 81 Milligramm genommen. Es gab eine leichte Veränderung, die mich an das Gefühl nach dem ersten Drink erinnerte. Ich habe die Wirkung als freundlich, warm und öffnend beschrieben.«

Bei Tests in geselliger Runde traten die empathischen Wirkungen von MDMA offen zutage. Berührungsängste schwanden, die Laune stieg bis hin zur Euphorie. Shulgin beschrieb als erster die psychischen Effekte in einer wissenschaftlichen Arbeit und empfahl die Substanz einem befreundeten Psychotherapeuten. So gerät die Droge in die psychotherapeutische Praxis. Fortan benutzten Psychologen und Therapeuten MDMA als Therapie-Trigger für Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) sowie für Angstpatienten.

Neben MDMA untersuchte Sasha Shulgin die Wirkung vieler anderer psychoaktiver Substanzen am eigenen Gehirn. Beispielsweise die von Meskalin und zahlreichen Phenylethylaminen, zu denen sowohl die körpereigenen Hormone Dopamin und Adrenalin als auch körperfremde Stoffe wie Ephedrin und Amphetamine (z. B. Metamphetamin und MDMA) gehören. Dass Dr. Alexander Shulgin ein so hohes Alter bei guter geistiger Gesundheit erreichte, mag mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit am medizinischen Versuchsablauf und an der Reinheit des konsumierten Stoffs liegen.

Angefangen hat Shulgins Karriere in seiner Geburtsstadt Berkeley, wo er an der renommierten Universität Chemie studierte und seinen Doktor machte. Dann wechselte Shulgin von der Akademie in die Wirtschaft. Während seiner Arbeit als Forschungschemiker bei Dow Chemical synthetisierte und kreierte Sasha Shulgin über 100 sogenannte Designerdrogen, also auf bestimmte Effekte zielende psychoaktive Wirkstoffe, die es in der Natur so nicht gibt. Die US-amerikanische Drogenbehörde DEA schätzte anfangs Shulgins Fachkenntnisse und zog den Drogendesigner des öfteren als Sachverständigen heran. Diese Allianz zerbrach jedoch mit dem Verbot von Ecstasy im Jahr 1988.

Gemeinsam mit seiner Frau Ann veröffentlichte Sasha Shulgin zu Beginn der 1990er den literarischen Ziegelstein PiHKAL (Phenethylamines i Have Known And Loved), gefolgt von TiHKAL (Tryptamines i Have Known And Loved). Da beide Bücher im Anhang ausführliche Rezepte zur Herstellung der beschriebenen Substanzen enthielten, gelangten sie schon bald als Kochbücher in Drogenlabore. Die Veröffentlichungen führten auch dazu, dass Alexander Shulgin 1994 seinen Sachverständigenstatus bei der DEA verlor.

Alexander Shulgin ist kürzlich im Alter von 88 Jahren gestorben. Die Süddeutsche Zeitung leitete ihren Nachruf mit diesem Satz ein:

»Hoffentlich hat er noch rechtzeitig ein letztes Mal was Schönes einwerfen können, bevor er am vergangenen Montag gegen fünf Uhr morgens dem Leberkrebs erlag.«

Wie dem auch sei, Alexander brauchte zumindest keinen Lotteriecocktail von der Straße zu kaufen; er konnte sich seine Stimmungsaufheller selber herstellen.

~
NACHRUFE
Christian Weber: Eine chemische Liebesgeschichte. Mit Alexander Shulgin ist der große alte Mann der psychedelischen Privatforschung gestorben (Süddeutsche Zeitung 128/2014).

Bruce Weber: Alexander Shulgin, Psychedelia Researcher, Dies at 88 (NYTimes, 7.6.2014)

Severin Mevissen: Godfather of Ecstasy: Dr. Alexander Shulgin im Alter von 88 Jahren verstorben (Musikexpress, 3.6.2014)

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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