→ Alessandro della Spina: Dieser Mönch hatte die Brille auf

Der Brillenapostel (Conrad von Soest, 1403)

Der Brillenapostel des Conrad v. Soest (1403)


Der Dominikanermönch Alessandro della Spina aus Pisa gilt als Erfinder der Brille. Er verband zwei geschliffene Quarzlinsen mit einem Gestell aus Metall.

»… und so schenkte er sie dem Hausmeister. Der war zwar nicht kurzsichtig, aber er gewöhnte sich an die Brille und trug sie gern.«
(Ilja Ilf & Jewgeni Petrow: Zwölf Stühle)

Latein: Alexander de Spina
† um 1313 in Pisa

Wer die Brille wirklich erfunden haben mag, ist nicht mehr genau auszumachen. Die Anfänge verlieren sich im fernen Mittelalter, und mit der Entfernung wird vieles unscharf. Bereits 1249 berichtete der Franziskaner-Philosoph Roger Bacon von Linsen, die das Sehen verbesserten. Als gesichert gilt, dass die Entwicklung vom Beryll ausging, einem Halbedelstein, der als sogenannter „Lesestein“ wie eine Lupe über die betreffenden Textstellen geschoben wurde. Das Wort Brille kam so zustande. Aus dem halbrunden Beryll entwickelte sich dank geschickter Glasschleifer mit der Zeit eine flache, eingefasste Quarzlinse, die wie ein Monokel vor das Auge gehalten wurde.

Der Büchernarr aus dem Narrenschiff (nach 1500)

Der Büchernarr vom Narrenschiff (nach 1500) Anklicken zum Ankieken.


Anno domini 1306 behauptete ein gewisser Giordano da Pisa, Dominikanermönch im Kloster Santa Caterina zu Pisa, die Brille sei eine relativ junge Erfindung und keine zwanzig Jahre alt. Ebenfalls im Katharinenkloster lebte der „gute und bescheidene“ Mönch Alessandro della Spina. Von diesem Mönch berichtete die Klosterchronik kurz nach dessen Tod in einer Art Nachruf:

»Frater Alexander de Spina. Vir modestus et bonus. Que vidit oculis facta scivit et facere; ocularia ab alio primo facta comunicare nolente, ipse fecit et omnibus comunicavit corde ylari et volente. Cantare scribere miniare et omnia scivit que manus mechanice valent.«

(„Bruder Alessandro della Spina war ein bescheidener und guter Mann. Was er mit eigenen Augen sah, wusste er gekonnt nachzubilden. Er stellte selbst Brillen her, die ein anderer, der sein Geheimnis nicht preisgeben wollte, vor ihm erfunden hatte. Auch erteilte er bereitwillig Auskunft darüber. Er war bewandert in Singen, Schreiben, Miniaturmalerei und Mechanik.“)

Aus dem Monokel, dem Einglas, entwickelte Alessandro della Spina 1280 das Zweiglas, ein Gestell, das beiden Augen zugleich dienlich war. Bescheiden wie er war, taufte er seine Erfindung spectacles. Die Brille war geboren, allerdings noch ohne Nasensteg und Ohrenbügel. Alessandros Klosterbrillen wurden direkt vor die Augen gehalten. Alsbald konnten die Augengläser durch ein Scharnier verstellt und auf die Nase geklemmt werden, sodass man fortan beide Hände frei hatte. Abnehmer der ersten Brillen dürften vor allem Klöster und Kanzleien gewesen seien, denn nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung konnten im ausgehenden Mittelalter Lesen und Schreiben. Allerdings sollen Brillen im Florenz des 14. Jahrhunderts so modisch gewesen sein, dass sogar Menschen, die keine brauchten, eine tragen wollten.

Advertisements

Über Alexander

Ich bin außer mir.
Dieser Beitrag wurde unter Alexquisit abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s