→ Dave Alexander: Der Vierte der drei Stooges


Er war Punkbassist, bevor es Punk gab. Dave Alexander nahm zwei legendäre Alben mit den Stooges auf, bevor er von Iggy Pop aus der Band gekickt wurde. Zander starb mit 27 Jahren.

David Michael Alexander
* 3. Juni 1947 in Ann Arbor
† 10. Februar 1975 in Ann Arbor

Im Klub 27 wird Mitglied, wer mit 27 Jahren abtritt. Wer den Löffel abgibt, bekommt die Mitgliedschaft. Brian Jones von den Stones steht ebenso auf der Eingangsliste wie die Schlagersängerin → Alexandra, der Gitarrengott Jimi Hendrix, die Bluesröhre Janis Joplin, der Dionysos-Dichter Jim Morrison und der Grunge-Barde Kurt Cobain. Und Dave Alexander, der erste Bassist des Punk.

Nie gehört? Doch, mit Sicherheit. David Michael Alexander war Gründungsmitglied der Stooges, einer Protopunkband um den zappeligen Sänger James Osterberg alias Iggy Pop. Dave Alexander ist auf den richtungsweisenden ersten beiden Alben der Stooges zu hören und bei genauerem hinschauen auch zu sehen. Auf dem Coverfoto der Debüt-LP verschwindet er fast hinter Iggy und den Ashton-Brüdern. In den Credits ist er als Co-Autor der Smasher „I Wanna Be Your Dog“ und „No Fun“ aufgeführt. Das zehnminütige Mönchsmantra „We Will Fall“ geht sogar komplett auf seine Idee zurück.

Zander, wie er von Freunden genannt wurde, war wie viele spätere Punks ein verzogenes Einzelkind. Seine Mutter arbeitete als Verkäuferin in einem Sozialladen, der Vater war Fleischer. Die Eltern verwöhnten ihren Sohn nach Strich und Faden. Mit 15 Jahren hatte Zander sein eigenes Motorrad, und mit 18 fuhr er einen Chevrolet Corvair als schnittiges Coupé. Irgendetwas schien trotzdem nicht zu stimmen, denn bereits mit zehn Jahren fing das Einzelkind an, Alkohol zu trinken, zunächst nur Bier.

Zander interessierte sich nur wenig für schulische Belange, aber umso mehr für die gerade angesagte Musik der British Invasion. An der Highschool befreundete sich der pickelige Teenager mit den zwei rüpelhaften Ashton-Brüdern, die seine Begeisterung für rauen Rhythm & Blues teilten. Im Jahr 1965 schmissen Zander und sein Klassenkamerad Ron die Schule, um nach London zu fliegen, ins Zentrum der British Invasion. Hier wollten sie John Lennon und Mick Jagger treffen. Um den Flug zu bezahlen, versetzte Zander sogar sein Motorrad. Dann, endlich in London, sahen sie aber anstelle der Beatles und der Stones eine aufstrebenden Modband. The Who befanden sich gerade auf dem Höhepunkt ihrer zerstörerischen Phase, und das Konzert im Cavern Club geriet für die beiden zum Erweckungserlebnis. Ron Ashton erinnert sich:

„It was my first experience of total pandemonium. Never had I seen people driven so nuts — that music could drive people to such dangerous extremes. That’s when I realized, this is definitely what I want to do.“

Nun bekam das Leben der Jungs aus Ann Arbor endlich einen Sinn. Sie wollten auch eine Band gründen und mittels Gitarrenlärm das Publikum in Ekstase bringen. Nach der Rückkehr in die USA taten sie sich mit dem Schlagzeuger Jim Osterberg zusammen. Osterberg stand eher auf Blues und die subversive Musik der Velvet Underground. Dafür teilten alle Beteiligten eine Vorliebe für das Komikertrio „The Three Stooges“ und die Hippiedroge LSD. Fortan wollten sie die Stooges auf Acid sein und tauften ihre Band „The Psychedelic Stooges“. Da „Iggy Stooge“ nur noch singen, „Scott Action“ trommeln und „Ron Action“ Gitarre spielen wollten, landete Zander als „Dude Arnett“ an der Bassgitarre.

Zusammen zog man in ein abrissreifes Haus und gründete eine Blueskommune. Im „Fun House“ wurde fleißig gekifft und auf selbstgebastelten Instrumenten gejammt, wobei eine Phrase über Stunden monoton beibehalten wurde. Schnell freundeten sich die Psychedelic Stooges mit den Protopunkern von Motor City Five (MC5) an und traten als deren Vorband im Grand Ballroom auf. Der Musikscout Danny Flieds besuchte eines ihrer gemeinsamen Konzerte und nahm sowohl die MC5 ($20.000) als auch die Psychedelic Stooges ($5.000) für Elektra Records unter Vertrag. Mit der Vertragsunterzeichnung vom 22. September 1968 verzichteten die Stooges auf ihr hippieskes Adjektiv.

Im Jahr darauf erschien das selbstbetitelte Debütalbum und 1970 die LP „Fun House“. Dave Alexander ist auf beiden Platten als Bassist, aber auch als Sänger und Komponist vertreten („We Will Fall“, „Little Doll“). Das von John Cale produzierte Debüt floppte zwar, hinterließ aber mit der Kopulationshymne „I Wanna Be Your Dog“ einen langlebigen Ohrwurm. Auch die zweite Platte verkaufte sich schlecht. Daraufhin trennte sich Elektra von der Band.

Das dritte Album „Raw Power“ wurde von David Bowie produziert, der mit „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“ gerade den ersten Zenit seiner Karriere erreicht hatte. Bowie hatte der Band, die sich nun Iggy & The Stooges nannte, einen Plattenvertrag bei Columbia Records verschafft.

Aber da war Dave Alexander schon nicht mehr mit von der Partie. Mit den Jahren hatte sich „Dude Arnett“ zum Trinker entwickelt. Außerdem waren in der Band weitere harte Drogen dazugekommen, die man sich vorrangig durch die Nase zog oder in die Venen spritzte. Iggy und der „Dude“ harmonierten nicht mehr miteinander. Als Zander bei einem Festival im August 1970 völlig heruntergedimmt auf der Bühne saß und seine Einsätze verschlief, platzte dem aufgedrehten Frontmann der Kragen. Iggy warf den Protopunk-Bassisten aus der Band. Während Iggy weiterhin bedenklich nahe am Abgrund entlang surfte, indem er eifrig Pillen einwarf, Koks schnupfte und Heroin drückte, starb Zander an den Folgen seines langjährigen, legalen Alkoholkonsums.

Nach dem dritten Album ging die Band auseinander. David Bowie ermunterte seinen Freund und zeitweiligen Mitbewohner James Osterberg, ein Lied über die Zeit mit den Stooges zu schreiben. Iggy tat das und sang von den „Dum Dum Boys“, zu finden auf Iggy Pops Solodebüt „The Idiot“ von 1977.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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