→ Alexandra Kollontai: Für die Freiheit der Liebe & der Frau

Ein Porträt von Alexandra als junger Frau

Ein Porträt von Alexandra als junger Frau.

Eine starke Frau. Als Kommunistin aus gutbürgerlichem Haus engagierte sich Alexandra Kollontai für die Rechte der Arbeiterinnen in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Unter Lenin war sie die weltweit erste Ministerin und unter Stalin arbeitete die gestandene Feministin als weltweit erste Botschafterin.


Александра Михайловна Домонтович
Alexandra Michailowna Domontowitsch
* 19./31. März 1872 in St. Petersburg
† 9. März 1952 in Moskau

Alexandra Domontowitsch war die Tochter des ukrainischen Generals Michail Domontowitsch und dessen finnischer Gattin Alexandra Masalina (das erklärt die Zusammensetzung des Vor- und Zunamens Alexandra Domontowitsch). Alexandra wuchs in behüteten Verhältnissen auf. Ihre Bildung erhielt sie standesgemäß durch Hauslehrer. Sie sprach fließend Russisch, Finnisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Mit 20 Jahren opponierte sie gegen ihre Eltern und heiratete ihren Cousin zweiten Grades, Wladimir Kollontai, von dem sie den prägenden Nachnamen sowie einen Sohn – Michail – bekam. Bereits früh begeisterte sich Alexandra für sozialistische Ideen und forderte in ihren Schriften die Gleichberechtigung der Geschlechter. Alexandra wurde eine glühende Feministin.

Im Alter von 26 immatrikulierte sich Alexandra an der Universität Zürich, wo Frauen seit 1840 zum Studium zugelassen waren, im Fach Sozialökonomie. In der Schweiz kam Alexandra auch in Kontakt mit russischen Flüchtlingen, die sie mit der marxistischen Lehre bekannt machten. Nun war Alexandra eine glühende Marxistin. Bereits ein Jahr später, 1899, kehrte Alexandra nach Russland zurück und wurde Mitglied der im Untergrund agierenden Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands. Von den Flügelkämpfen der Bolschewiki und Menschewiki hielt sie sich fern, jedoch teilte sie deren völlige Ablehnung der Zarenherrschaft.

Im Jahr 1908 forderte sie auf dem Ersten Allrussischen Frauenkongress die Gleichberechtigung der Frau. Ihre Rede wurde von der zaristischen Polizei als Provokation aufgefasst. Nur durch eine Flucht nach Deutschland konnte sie der Verhaftung entgehen. In Deutschland erlebte Kollontai den Beginn des Ersten Weltkriegs, woraufhin sie in Berlin Antikriegstreffen für Frauen organisierte, was ihr nunmehr die Feindschaft der kaiserlichen Behörden einbrachte. Deshalb emigrierte die überzeugte Kriegsgegnerin über Schweden nach Norwegen, wo sie sich weiterhin politisch engagierte. Mit der Februarrevolution von 1917 kehrte Alexandra Kollontai nach Russland zurück. Wieder in der Heimat rief sie zum Juliaufstand gegen die Provisorische Regierung von Alexander Kerenski auf und wurde daraufhin wegen Landesverrats verhaftet. Nun war Alexandra eine glühende Leninistin.

Nach der Oktoberrevolution von 1917 machte Alexandra Kollontai eine beispiellose Karriere. Lenin holte sie als einzige Frau in sein Kabinett und machte sie damit zur weltweit ersten Ministerin. Als Kommissarin für Volksfürsorge setzte sie sich für das Recht auf Abtreibung, Scheidung, Volksküchen sowie die kollektive Kindererziehung ein, um erwerbstätige Frauen von der Mutterrolle zu befreien. Die monogame Ehe sollte durch ein flexibleres Zusammenleben zweier Menschen ersetzt werden. Viele ihrer Parteigenossinnen verstanden dieses Konzept falsch. Besonders Lenin hatte Probleme mit ihrer freizügigen Sexualmoral, die er als »unmarxistisch und unsozial« abtat. Sexualität könnte doch nicht einfach »wie ein Glas Wasser« konsumiert werden. Doch das entsprach ja auch nicht Alexandras Auffassung von freier Liebe.

Auf dem X. Parteikongress der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) im März 1921 kam es zum Bruch mit Lenin und Alexandra wurde ihrer politischen Ämter enthoben. Nicht zuletzt ihrer Landeskenntnisse wegen wurde sie 1922 nach Norwegen abgeschoben, wo sie als Gesandte die junge Sowjetunion repräsentierte. Als die Sowjetunion 1935 in den Völkerbund aufgenommen wurde, gehörte Kollontai zur russischen Delegation. Für ihre Rolle bei den russisch-finnischen Friedensverhandlungen verlieh ihr Stalin den Botschaftertitel und machte sie damit zur weltweit ersten Botschafterin. Nach dem Zweiten Weltkrieg beendete Alexandra Kollontai ihre Karriere als Gesandte, zog sich auf ihre Datsche zurück und verbrachte ihren Lebensabend mit Biographie-Arbeit.

Besonders populär wurden ihre Memoiren „Ziel und Wert meines Lebens“ (Manuskript im Original auf Deutsch), die unter dem verkaufsfördernden Titel „Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin“ in der 1970er Jahren neu aufgelegt worden sind, sowie die Quellensammlung „Ich habe viele Leben gelebt…“, die erst 1974 in Moskau veröffentlicht wurde und sechs Jahre später in der DDR herauskam.

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Foto: gemeinfrei

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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