→ Alexander von Salzmann: Eine Prise Kaukasus


Alexander von Salzmann war ein Maler, Karikaturist und Bühnenbildner, der viel in seiner Heimat Georgien tätig war, der aber auch in Westeuropa gewirkt hat, so zum Beispiel am Festspielhaus der Gartenstadt Dresden-Hellerau.

Alexander Gustav von Salzmann
Александр Альбертович Зальцман
* 25. Januar 1874 in Tiflis/Tbilissi
† 3. März 1934 in Leysin, Schweiz

Trotz seines deutsch klingenden Namens war Alexander von Salzmann – ebenso wie Alexander von Nordmann – ein russischer Staatsbürger. Seine Vorfahren waren schwäbische Protestanten, die Anfang des Jahrhunderts nach Georgien ausgewandert waren; Zar → Alexander I. hatte Georgien bereits 1801 widerrechtlich annektiert und dem Russischen Reich einverleibt. Im November 1818 gründeten die ersten deutschen Einwandererfamilien das Dorf Elisabeththal, mitten in der kaukasischen Region Kartlien. Infolge religiöser Streitigkeiten verließen im Jahr 1857 einige Kaukasusdeutsche den Ort Elisabeththal und gründeten das Bergdorf → Alexanderhilf. Es ist möglich, dass beide – Alexanderhilf und Alexander von Salzmann – nach dem damals amtierenden russischen Zaren → Alexander II. (1855–1881) benannt worden sind.

Bereits Alexanders Großvater war mitsamt der Familie vom Land in die Hauptstadt Tiflis/Tbilissi gewechselt. Hier konnte der Vater Albert Salzmann (1833–1897) den bürgerlichen Beruf eines Architekten ergreifen und die Tochter eines Petersburger Baumeisters ehelichen. Die Familie führte ein offenes Haus und legte großen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Kinder. Alexanders musische Neigungen wurden früh erkannt und schon in jungen Jahren gefördert. Als Zweiundzwanzigjähriger zog Salzmann aus dem georgischen Tiflis ins russische Moskau, um ein Studium der Malerei aufzunehmen. Am 5. November 1898 schrieb er sich an der Münchener Akademie ein, um sich im Atelier von Franz von Stuck weiterbilden zu können.

Um die Jahrhundertwende hatte Alexander von Salzmann seine Studien abgeschlossen und arbeitete als freischaffender Künstler in München. Dort nahm er 1901 an der ersten Ausstellung der Künstlergruppe Phalanx teil und traf in deren Umfeld die Blauen Reiter Wassily Kandinsky und → Alexej Jawlensky. Kurz darauf begann Salzmann seine Mitarbeit an der Zeitschrift Jugend, der ›Münchner illustrierten Wochenschrift für Kunst und Leben‹, die zur Namenspatin des Jugendstils werden sollte (Beispiele in obiger Diaschau).

Dann vollzog Salzmann die große Wende. Ab 1910 ist der Kaukasusdeutsche in der Gartenstadt Dresden-Hellerau tätig, aber nicht als Maler, sondern als Bühnenbildner und »Beleuchtungsinspekteur«. Salzmann entwickelte für das von Heinrich Tessenow 1911 erbaute Festspielhaus Hellerau ein hochmodernes Lichtkonzept.

»Decke und Wände waren mit weißen gewachsten Tuchbahnen ausgekleidet, hinter denen tausende von Glühlampen ein diffuses, immaterielles Licht erzeugten und den von jeglichen Naturalismus befreiten Raum in Transparenz und Transzendenz tauchten … so verursachte Alexander von Salzmanns geniales Beleuchtungssystem enorme Energiekosten.«

Nebenher zeichnete er weiter für die Münchner Zeitschrift Jugend. Zwei Jahre darauf verliebte sich Alexander in die 23 Jahre junge Balletttänzerin Jeanne Allemand, die er bei seiner Arbeit am Festspielhaus Hellerau kennengelernt hatte. Das Paar heiratete noch im selben Jahr in Genf.

Im Revolutionsjahr 1917 zog Alexander mit seiner jungen Ehefrau ins unabhängige Georgien, in seine Heimatstadt Tiflis, wo beide eine Tanz- und Musikschule eröffneten. Auch entwarf er Kostüme und Bühnenbilder für mehrere Theateraufführungen. Durch Vermittlung des russischen Komponisten Thomas von Hartmann lernte das Paar 1919 den armenischen Geisterseher Georg Gurdschijew kennen. Jeanne Matignon de Salzmann wurde eine überzeugte Anhängerin des esoterischen Hütchenspielers und blieb dem verschrobenen Choreographen noch weit über dessen Tod 1949 hinaus verbunden.

Am 16. Februar 1921 wurde Georgien von der Roten Armee besetzt und als Teilgebiet der ›Transkaukasischen Sowjetrepublik‹ in die Sowjetunion eingegliedert. Für die Salzmanns bot sich rasch die Gelegenheit, das Land in Richtung Westeuropa zu verlassen, denn Alexander wurde an das Théâtre des Champs-Élysées in Paris berufen. Nebenher handelte er mit Antiquitäten.

Alexander von Salzmann starb 1934 in einem schweizerischen Sanatorium an Tuberkulose. Seine Frau Jeanne widmete sich nun vollständig ihrem Guru Georg Gurdschijew und der Verbreitung seiner esoterischen Lehre eines ›Vierten Weges‹. Die Kunstwerke ihres Gatten gerieten indes in Vergessenheit. Heute werden Salzmanns Arbeiten, die aus so unterschiedlichen Quellen wie Expressionismus, Jugendstil und japanischen Farbholzschnitten (Japonismus) gespeist wurden, wiederentdeckt und gebührlich wertgeschätzt.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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