Alexanderplatz + Wedding → Alex Wedding

Alex-Wedding
Die Schriftstellerin Alex Wedding hieß bürgerlich Margarete Bernheim und wurde nach ihrer Heirat als ›Grete‹ Weiskopf bekannt. Als Schriftstellerin nannte sie sich Alex Wedding. Ihr selbstgewähltes Pseudonym setzt sich aus zwei Berliner Orten zusammen, die fest mit der Arbeiterbewegung verbunden sind. Alex steht für den Alexanderplatz als Ort großer Arbeiterkämpfe (1848, 1918, 1919), der Nachname erinnert an den ›Roten Wedding‹.

Margarete ›Grete‹ Weiskopf, geb. Bernheim
* 11. Mai 1905 in Salzburg
† 15. März 1966 in Saalfeld/Saale

Margarete Bernheim arbeitete als Stenotypistin und Buchhändlerin, konnte also gut schreiben und kannte sich mit Literatur aus. 1928 heiratete sie den aus der Tschechoslowakei stammenden Autor Franz Carl Weiskopf, Mitglied der KPD und des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS). Bald schon schrieb Grete Weiskopf ihr erstes Buch. Unter dem Pseudonym Alex Wedding erschien 1931 ihr Jugendroman ›Ede und Unku‹ in Wieland Herzfeldes progressivem Malik-Verlag, von dem Kurt Tucholsky einst schwärmte:

»Wenn ich nicht Peter Panter wäre,
möchte ich Buchumschlag im Malik-Verlag sein.«

Die Fotos in der Originalausgabe stammen von Helmut Herzfeld alias John Heartfield. ›Ede und Unku‹ erzählt von der Freundschaft zwischen einem Berliner Jungen und einem Zigeunermädchen in den letzten Tagen der Weimarer Republik. Grete Weiskopf verarbeitete darin authentische Kindheitserlebnisse der Sinti Erna Lauenburger, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz umkam. Das Kinderbuch landete bei der Bücherverbrennung 1933 auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten. Zu DDR-Zeiten gehörte ›Ede und Unku‹ zur offiziellen Schulliteratur und wurde von der DEFA unter dem Titel ›Als Unku Edes Freundin war‹ (1980) verfilmt.

Grete Weiskopf floh mit ihrem Mann 1933 nach New York, wo das Paar zur Gemeinde der Moskau-treuen Exilkommunisten gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnte sie mit ihrem Mann, der im diplomatischen Dienst tätig war, nacheinander in Washington, Stockholm und der Volksrepublik China, wo sie als Übersetzerin und Korrespondentin arbeitete. Von 1953 bis zu ihrem Tod 1966 lebte sie im Osten Deutschlands. In der DDR verfasste sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, Erzählungen, Reportagen und andere Beiträge.

Ede-u-Unku-Weg
Die linientreue Autorin Alex Wedding gilt als Wegbereiterin einer sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur, was nichts besagt. Seit 1968 wird eine nach ihr benannte Auszeichnung, der Alex-Wedding-Preis, verliehen. Bekannte Preisträger sind Peter Hacks (1993), Benno Pludra (2000) und F. K. Waechter (2003). Auf ihrem Grabstein auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin stehen übrigens beide Namen: Alex Wedding und Grete Weiskopf. Am 27. Januar 2011 wurde zur Erinnerung an Erna Lauenburger im Berliner Friedrichshain der Ede-und-Unku-Weg eingeweiht.

~
Fotos: Me, myself & I

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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