→ Alexandre Exquemelin flucht in der Karibik

Howard Pyle: Ausgesetzt

Howard Pyle: Ausgesetzt (Anklicken zum Ankieken)

Man nennt sie Freibeuter, Bukaniere, Flibustiere oder Piraten. Seit den Kassenerfolgen von ›Fluch der Karibik I+II+III‹ sind Seeräuber beliebte Zeitgenossen. Das Bild, das wir von den Piraten des 17. Jahrhunderts haben, wurde uns vor allem durch die Aufzeichnungen des Wundarztes Alexandre Exquemelin überliefert.

Alexandre Olivier Exquemelin
Autorenname: John Esquemeling
* um 1645 in Honfleur, Frankreich
† um 1707

Der französisch-flämische Mediziner Alexandre Exquemelin begleitete mehrere Kaperkapitäne bei ihren Beutezügen auf den Weltmeeren. Sondereinsatzzone dieser Freiberufler war die Karibik mit den Inseln Hispaniola (Haïti), Kuba, Jamaika und Tortuga. Hier wurden Schiffe gekapert und Hafenstädte überfallen.

Howard Pyle: Die Verteilung der Beute

Howard Pyle (1853-1911): Die Verteilung der Beute (Anklicken zum Ankieken)

Alexandre Exquemelin verarbeitete seine Erfahrungen und Beobachtungen in einem außergewöhnlichen Logbuch. Sein Piratentagebuch erschien 1678 unter dem Titel ›De Americaensche Zee-Rovers‹ in Amsterdam, die deutsche Übersetzung ›Die Amerikanischen Seeräuber‹ folgte ein Jahr darauf. Exquemelin hatte den Nerv des Publikums getroffen. Sein Bericht mit Schilderungen aus erster Hand entwickelte sich schnell zum europäischen Bestseller. Innerhalb von nur acht Jahren lagen Übertragungen in die wichtigsten europäischen Sprachen vor: Spanisch (1681), Englisch (1684) und Französisch (1686).

Erstausgabe der Amerikanischen Seeräuber

Trotz des verkaufsträchtigen Untertitels ›Piratentagebuch‹ handelt es sich um kein intimes Tagebuch, sondern um eine eher sachliche Beschreibung des Freibeuterdaseins. Exquemelin berichtet unter anderem von der Eroberung und Zerstörung der Stadt Panama durch den Piratenkapitän Henry Morgan, dem späteren Vizegouverneur Jamaikas. Dieser fühlte sich allerdings durch die englische Ausgabe des Buchs ›The Buccaneers of America‹ verleumdet und strengte einen der ersten Medienprozesse der Geschichte an. Der höchst einflussreiche Bukanier verklagte die Herausgeber und bekam recht.

Der Autor Alexandre Exquemelin indes konnte nicht von den Buchverkäufen leben und war schon bald wieder als Arzt an Bord eines Kaperschiffes in der Karibik unterwegs.

»Ich müsste keine Schifffahrt kennen:
Krieg, Handel und Piraterie,
Dreieinig sind sie, nicht zu trennen.«
(Goethe: Faust)

Exquemelin war übrigens ein Zeitgenosse des schottischen Seefahrers Alexander Selkirk (1676-1721), der mit dem Freibeuter William Dampier segelte. Selkirk wurde 1704 wegen eines Streits mit seinem Kapitän auf einer Insel im Pazifik ausgesetzt und erst 1709 wieder eingesammelt. Die Robinsonade des Alexander Selkirk diente als Vorbild für Daniel Defoes Roman ›Robinson Crusoe‹. Defoe verlegte die Handlung in die Karibik und dehnte die Inseleinsamkeit auf 28 Jahre aus.

Büchlein im holländischen Original von 1678: De Americaenische Zee-Roovers (Link)

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Über Alexander

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