→ Alexander Beer: Architekt jüdischen Lebens

Alexander Beer gab dem jüdischen Leben in Berlin ein Zuhause. Als Gemeindebaumeister plante Beer unter anderem das Gebäude des Jüdischen Waisenhauses in Pankow, die Jüdische Mädchenschule in Berlin-Mitte, das Jüdische Altersheim in Berlin-Schmargendorf und das erste Jüdische Museum in der Oranienburger Straße in Mitte. Darüber hinaus entwarf er das Ehrenmal der im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Kriegsteilnehmer auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee sowie einzelne noch nicht identifizierte Grabsteine.

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* 10. September 1873 in Hammerstein/Czarne
† 8. Mai 1944 im KZ Theresienstadt (ermordet)

Alexander Beer hatte an den Technischen Hochschulen von Berlin-Charlottenburg und Darmstadt studiert, bevor er eine berufliche Tätigkeit im hessischen Staatsdienst aufnahm. In seiner Funktion als Regierungsbaumeister wurde Beer mit Restaurierungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden und Denkmälern beauftragt. Da ihn die berufliche Karriere bei der aktiven Ausübung seines jüdischen Glaubens behinderte, kündigte er und wurde 1910 Gemeindebaumeister der Jüdischen Gemeinde Berlin. Als Leiter des Bauamts koordinierte er die Errichtung und Umgestaltung von Synagogen, sozialen Einrichtungen und jüdischen Kulturbauten.

Ein erstes wichtiges Gebäude stellt der neobarocke Wiederaufbau des abgebrannten Jüdischen Waisenhauses mit hauseigener Synagoge in Berlin-Pankow (1912–1913) dar, das heute die Stadtteilbibliothek Janusz Korczak beherbergt. Es folgte die Orthodoxe Synagoge am Kottbusser Ufer in Berlin-Kreuzberg (1913–1916). Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 von Nationalsozialisten angesteckt und brannte bis auf den Seitentrakt nieder. Die ehemalige Jugend-Synagoge dient heute als Hauptsynagoge. Von 1927 bis 1928 errichtete Beer die Jüdische Mädchenschule im Stil der Neuen Sachlichkeit. Auch die Mädchenschule wurde in der Pogromnacht beschädigt und 1942 von den Nationalsozialisten ganz geschlossen, um bis zum Kriegsende als Krankenhaus genutzt zu werden.

Ende der zwanziger Jahre baute Beer die Synagoge Prinzregentenstraße in Berlin-Wilmersdorf und das Jüdische Altersheim in Berlin-Schmargendorf. Die Synagoge brannte während der Novemberpogrome ab, die baulichen Reste wurden 1958 abgeräumt. Das Altersheim mit den umlaufenden Fensterbändern und abgerundeten Balkonen wurde 1941 von der SS beschlagnahmt und die letzten Bewohner in Konzentrationslager deportiert.

Ein letztes wichtiges Bauprojekt Alexander Beers war der Umbau eines ehemaligen Hospitals in der Oranienburger Straße zum weltweit ersten Jüdischen Museum. Das Geschäftsgebäude links der Neuen Synagoge wurde sechs Tage vor der Machtergreifung Hitlers eröffnet. Das Museum beherbergte bis zu seiner angeordneten Auflösung im November 1938 sowohl historische Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit als auch jüdische Kunst der Moderne. Der Nachfolger dieses Jüdischen Museums befindet sich übrigens heute in Berlin-Kreuzberg.

Wie schon viele seiner Bauten sollte Alexander Beer die national-sozialistische Herrschaft nicht überleben. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Beer am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 8. Mai 1944 verstarb. Seine zehnjährige Tochter Beate hingegen konnte 1939 durch einen Kindertransport nach Großbritannien entkommen.

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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