→ Alexej K. Tolstoi: Der Vater aller russischen Vampire

Alexej Konstantinowitsch Tolstoi war ein russischer Schriftsteller, Dramatiker und Dichter. Er war der erste einer Reihe von bekannten Schriftsteller-Grafen gleichen Namens und ein Cousin von Lew Tolstoi. Sein Werk wird der Romantik zugerechnet.

Karl Brullow: Der junge Alexej Tolstoi (1836)

Karl Brullow: Der junge Alexej Tolstoi (1836)

Алексей Константинович Толстой
Graf Aleksej Konstantinowitsch Tolstoi
* 24. August / 5. September 1817 in St. Petersburg
† 28. September / 10. Oktober 1875 in Krasny Rog

Alexej Tolstoi ist der Autor zweier heute zu unrecht vergessener Vampirgeschichten – zwei schöne Beispiele für die frühe Rezeption des Blutsaugerthemas in der russischen Literatur. Und das ein halbes Jahrhundert vor Bram Stokers ›Dracula‹ (1897). Tolstois Geschichten gehören damit zu den frühesten Vampirerzählungen. Das Genre war erst 1816 mit einer Kurzgeschichte von Lord Byrons Leibarzt John Polidori begründet worden.

Tolstois Eltern trennten sich kurze Zeit nach seiner Geburt. Der Kleine lebte fortan mit der Mutter bei seinem Onkel und Paten Alexej Perowski, einem romantischen Schriftsteller, der unter dem Pseudonym Antoni Pogorelski Gruselgeschichten verfasste. In St. Petersburg machte er den jungen Tolstoi mit dem befreundeten russischen Dichter → Alexander Puschkin bekannt. Außerdem war Alexej offizieller Spielkamerad des gleichaltrigen Thronfolgers → Zar Alexander II., was für die spätere Karriere im Staatsdienst eine gute Grundlage darstellte. 1827 unternahm die Familie eine Reise nach Deutschland, in deren Verlauf man auch den Geheimen Rat Goethe traf, auf dessen Schoß der zehnjährige Alexej Platz nehmen durfte. Nach einer mehrjährigen Beamtentätigkeit im Archiv des Moskauer Außenministeriums war Alexej Tolstoi als Diplomat in der russischen Botschaft in Frankfurt am Main tätig (1837–1840).

In dieser Zeit verfasste er mit ›Die Familie des Wurdalak‹ (1839) eine höchst lesenswerte Kurzgeschichte auf Französisch, die von Vampiren handelt, die sich vom Blut ihrer Verwandten ernähren. Zwei Jahr darauf folgte unter dem Titel ›Der Vampir‹ (1841) die nächste Gruselgeschichte. In seinen späteren Werken widmete sich Alexej Tolstoi zunehmend historischen Themen, beispielsweise mit dem Roman ›Der silberne Fürst‹ (1862) sowie der Dramentrilogie ›Der Tod Iwans des Schrecklichen‹ (1866), ›Zar Fjodor Joannowitsch‹ (1868) und ›Zar Boris‹ (1870).

Mit einem großen Fest entließ Graf Alexej Tolstoi 1861 die Bauern seines ukrainischen Landguts aus der Leibeigenschaft. Durch mangelndes ökonomisches Geschick geriet der Graf bald in finanzielle Schwierigkeiten. Auch nahmen körperliche Beschwerden und seine Asthmaprobleme zu. Zur Linderung der Schmerzen experimentierte Tolstoi im Frühjahr 1875 mit Morphium. Im Herbst des selben Jahres verstarb der in Kunst und Politik bewanderte Aristokrat schließlich an einer tödlichen Überdosis. Ob absichtlich oder ausversehen konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden.

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