→ Alexej Leonow: Völlig losgelöst von der Erde


Als erster Mensch verließ Alexej Leonow seine Rakete für einen Weltraumspaziergang. Während der zwölf Minuten war der Aussteiger allein durch seinen Raumanzug vor der lebensfeindlichen Umgebung geschützt. Aber der Raumanzug hätte ihn auch beinahe das Leben gekostet.

Алексей Архипович Леонов,
Aleksej Archipowitsch Leonow
* 30. Mai 1934 in Listwjanka bei Kemerowo

In der Raumfahrt war die Sowjetunion den USA fast immer eine Raketenspitze voraus. Angefangen hat das Raumfahrtzeitalter im Oktober 1957 mit dem „Sputnikschock“. Ausgerechnet die rückständigen Russen schickten den ersten künstlichen Satelliten ins All – und nicht die fortschrittlichen Amerikaner. Einen Monat später beförderte Sputnik 2 mit der Hündin Laika an Bord das erste Lebewesen ins All. Die Hündin kehrte von dieser Weltraum-Gassirunde nicht zurück. Laika verglühte planmäßig beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und lebt heute als geschützte Marke weiter.

Dann ging es Start auf Start. Der Flugzeugpilot Juri Gagarin flog als erster Mensch in den Weltraum (1961). Sein Nachfolger wurde German Titow, mit seinen 25 Jahren ist er bis heute der jüngste Mensch im All (1961). Die Kosmonautin Walentina Tereschkowa war dann die erste Frau im Weltraum (1963). Mit dem Start von Wostok 3 und Wostok 4 brachte die Sowjetunion den ersten bemannten Doppelflug zuwege (1962). Und mit dem Mehrsitzer Woschod 1 erfolgte der erste Gruppenflug der Raumfahrtgeschichte, an Bord waren gleich drei Wissenschaftskosmonauten (1964). Beim Nachfolgeflug sollte nun erstmalig ein Mensch das Raumschiff verlassen und frei im All schweben.

Am 18. März 1965 startete Woschod 2 mit zwei Kosmonauten in den Orbit. Während Kommandant Pawel Beljajew an Bord blieb und die Knöpfe drückte, war Alexej Leonow für den Außenbordeinsatz vorgesehen. Durch eine enge Luke ging es hinaus ins Unbekannte. Mit seinem Mutterschiff blieb der Kosmonaut allein durch eine 4,5 Meter lange Nabelschnur verbunden. Sie sollte ihn vor dem Abdriften in die Weiten des Weltalls bewahren.

Doch ein Weltraumspaziergang ist kein wirklicher Spaziergang. Was auf der Erde erdacht worden war, sah im All ganz anders aus. Durch das Vakuum hatte sich der Raumanzug so weit aufgeplustert, dass dem Kosmonauten plötzlich Handschuhe und Stiefel zu groß wurden. Aber es kam noch schlimmer. Das aufgeblähte Michelinmännchen passte plötzlich nicht mehr durch die Luke. Schto delat – was tun? Alexej Leonow musste schnell handeln, sein Leben hing davon ab. Eigenmächtig improvisierte er einen Druckausgleich, was bedeutete, dass er die Luft aus seinem Anzug ließ. Der Druckablass ermöglichte ihm schließlich den Wiedereinstieg. Nach zwölf Minuten war der Ausflug für den ersten Astro@lex vorbei.

Nach der erfolgreichen Rückkehr zur Erde gehörte Alexej Leonow lange Zeit zu den Kandidaten für eine sowjetische Mondmission. Das bemannte Luna-Programm der Sowjets rückte jedoch nach der spektakulären Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin in weite Ferne. Leonow wurde stattdessen als Kommandant für das binationale Apollo-Sojus-Projekt nominiert. Dabei handelte es sich um die erste Kooperation der beiden verfeindeten Raumfahrernationen USA und UdSSR. Am 17. Juli 1975 – also zehn Jahre nach Leonows schwerelosem Kurztrip – dockte erstmals eine sowjetische Sojus an ein amerikanisches Apollo-Raumschiff. Russen und Amerikaner besuchten einander in ihren Raumkapseln und signalisierten der Welt, dass ein friedliches Miteinander möglich ist. Das Freundschaftstreffen war Leonows zweiter und auch letzter Raumflug.

FunFact: In Frankfurt an der Oder steht das „Kosmonautenviertel“, dessen Straßen nach bedeutenden Astronomen und Kosmonauten benannt wurden. Neben Johannes-Kepler-Weg und Konstantin-Ziolkowski-Allee gibt es dort auch eine Alexej-Leonow-Straße.

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Ich bin außer mir.
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