→ Alexander Tschawtschawadse: Romantiker im Kaukasus

Alexander-Tschawtschawadse

Verband persische Dichtkunst mit europäischer Romantik: Prinz Alexander Tschawtschawadse

Prinz Alexander Tschawtschawadse war ein georgischer Militär in russischen Diensten. In Georgien gilt er als Begründer einer nationalen Romantik.

Александр Гарсеванович Чавчавадзе
Aleksandr Garsewanowitsch Chavchavadze
* 1786 in Sankt Petersburg
† 6. November 1846 in Tsinandali

Alexander Tschawtschawadse öffnete die georgische Kultur für westliche Einflüsse. Da Alexander Tschawtschawadse in St. Petersburg aufwuchs, war er sowohl von der russischen als auch von der westeuropäischen Kultur geprägt. Neben Russisch und Persisch sprach er fließend Französisch, Englisch und Deutsch. Der Krieg gegen Napoleon führte ihn 1814 nach Paris, wo er mit französischen Romantikern wie Victor Hugo und Lamartine in Berührung kam. Seine Militärlaufbahn brachte ihn außerdem nach Persien, Armenien und Anatolien.

Alexanders Vater Garsewan war zum Zeitpunkt seiner Geburt georgischer Botschafter in der russischen Hauptstadt St. Petersburg. Die Beziehungen des Diplomaten zur Zarin waren so gut, dass Katharina II. die Patin von Alexander wurde. Im Alter von 13 Jahren sah Alexander seine Heimat Georgien zum ersten Mal. Da das christliche Land im Kaukasus von Persien bedroht wurde, suchte der georgische König eine Annäherung an das orthodoxe Russland. Trotz aller Absprachen und eines Schutzvertrages wurde Georgien von →Zar Alexander I. annektiert. Vater und Sohn Tschawtschawadse kämpften gegen die Annektion und gerieten infolgedessen in russische Gefangenschaft. Alexander nutzte die Zeit im Gefängnis und verfasste seine ersten poetischen Arbeiten.

Alexanders Bedeutung für die georgische Literatur ist groß. Er verband europäische Romantik mit persischer Dichtkunst und schuf somit ein durchaus eigenständiges georgisches Amalgam. Durch den Tod des Vaters erbte Alexander 1811 das Weingut Tsinandali, welches er zu seinem repräsentativen Landsitz und zu einem Zentrum georgischer Kultur ausbaute. Auf Tsinandali weilten zu unterschiedlichen Zeiten namhafte Gäste wie →Alexander Puschkin, Michail Lermontow und →Alexandre Dumas, der das Weingut im Jahre 1858 besuchte und in seinem Reisetagebuch Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus als einen Garten Eden beschrieb:

»Zinandali ist im Juni ein Feenpalast: Blumen, Weinreben, Granatäpfel, Zitronen, Orangen, Geisblatt und Rosen blühen und reifen nebeneinander; die Luft ist mit den köstlichsten Düften angefüllt. Die Frauen und Kinder trieben sich daher mit unbeschreiblichem Behagen in den herrlichen Gärten herum.«

Am 6. November 1846 geriet Alexander Tschawtschawadse vor den Toren seines Weinguts unter die Räder eines Pferdefuhrwerks und verstarb an den schweren Kopfverletzungen. Laut Georgien-Blog hat sich das so zugetragen:

Tschawtschawadse war auf dem Weg zu Fürst Woronzow, um ihm zum Namenstag zu gratulieren, als eine Frau Wasser aus dem Fenster schüttete, woraufhin das Pferd scheute. Tschawtschawadse wollte dem Kutscher helfen, wobei sich sein Mantel im Rad verfing und er so unglücklich aus der Kutsche auf den Kopf fiel, dass er wenige Stunden nach dem Sturz verstarb. Der Unfall ereignete sich in der heutigen A. Tschawtschawadse-Straße, einer Querstraße zum Rustaveli-Boulevard.

Tsinandali beherbergt heute das Alexander-Tschawtschawadse-Museum. Seine Tochter Nino war übrigens mit dem russischen Dramatiker und Diplomaten → Alexander Gribojedow verheiratet.

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Bildquelle: Wikipedia Commons

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Über Alexander

Ich bin außer mir.
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4 Antworten zu → Alexander Tschawtschawadse: Romantiker im Kaukasus

  1. scheer schreibt:

    die Nachfahren leben teils seit 15 Jahren in Deutschland (Bürgerkriegsflüchtlinge) und in NL

    • Alexander schreibt:

      Vielen Dank für die Info!

      Leider gibt es nur wenig von und über Alexander Tschawtschawadse auf Deutsch.

  2. Pingback: → Alexandre Dumas betrinkt sich mit Georgierwein | ALEXIKON

  3. Pingback: → Alexandre Herculano: Der romantische Portugiese | ALEXIKON

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