→ Alexander von Nordmann: O Royal Tannenbaum

Deutschlands beliebtester Weihnachtsbaum heißt Alexander. Die Nordmanntanne ist nach Alexander von Nordmann benannt. Der Finnlandschwede hat den Nadelbaum als erster botanisch beschrieben.

Ist nicht der Weihnachtsmann: Alexander von Nordmann.

Ist nicht der Weihnachtsmann: Alexander von Nordmann.

Александр Давидович Нордман
Alexander Davidowitsch von Nordmann
* 24. Mai 1803 auf Ruotsinsalmi bei Kymi
† 25. Juni 1866 in Åbo/Turku

Nordmanntanne, welch schöner Name! Das klingt nach Nordpol, Weihnachtsmann und verschneiten Tannenwäldern. Doch der Nadelbaum stammt in Wirklichkeit aus dem Süden, aus Georgien. Der Kaukasus ist die Heimat der bis zu 60 Meter hohen Nordmänner mit den weichen Tannennadeln. Von professionellen Zapfenpflückern werden die Baumriesen um ihre Früchte gebracht, denn die Samen in den Zapfen sind wertvolles Exportgut. Baumschulen in Dänemark, Deutschland und anderswo ziehen daraus die beliebten Weihnachtsbäume. Ein hartes Geschäft, besonders für die georgischen Zapfenpflücker.

Mit dem Weihnachtsgeschäft hat Alexander von Nordmann allerdings nichts zu tun. Der Biologe war lediglich der Namensgeber des Nadelbaumes. Alexander von Nordmann reiste viel, sammelte alles (Vögel, Fische, Würmer, Insekten, Spinnen, fossile Knochen, Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln) und publizierte zahlreich. Im Jahr 1803 erblickte der Nachkomme schwedischer Vorfahren im russischen Teil Finnlands das Licht der Welt (das übrige Finnland wurde 1809 russisches Großfürstentum). Da sowohl der Großvater als auch der Vater in russischen Diensten standen, bekam der Neugeborene ganz opportun den Vornamen des gerade regierenden Kaisers; und das war → Zar Alexander I.

Der kleine Alex, erstes von insgesamt elf Kindern, wuchs kosmopolitisch auf und sprach fließend Russisch, Schwedisch, Deutsch, Französisch sowie Latein, die Sprache der Wissenschaft. Schon als Kind liebte er es (trotz einer chronischen Knieverletzung) durch die Natur zu streifen, Vöglein zu fangen, Schmetterlinge zu sammeln und Käfer zu zählen. Außerdem las er gern Reisebeschreibungen und Literatur zur Naturgeschichte.

Solcherart für die Schönheiten der Natur begeistert, begann Alexander von Nordmann ein Studium der Biologie an der finnischen Universität von Åbo/Turku. Seinen Abschluss machte er 1827 als Doktor der Philosophie. Als im selben Jahr ein Großbrand an der Universität seine wissenschaftliche Sammlung vernichtete, entschloss sich Nordmann, die nordische Heimat zu verlassen. Mit dem Schiff ging es über die Ostsee nach Lübeck. Nach der Ankunft war der junge Finne so von der üppigen Vegetation des deutschen Nordens begeistert, dass er sogleich Untersuchungen durchführte. An der Humboldt-Universität in Berlin studierte Nordmann vier Jahre lang Botanik und Entomologie. In der vorlesungsfreien Zeit machte er Exkursionen ins Berliner Umland, in den Harz und nach Helgoland. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch das Zeichnen von Pflanzen und Tieren zur Illustration wissenschaftlicher Werke.

In Berlin lernte Alexander neben vielen Spitzenwissenschaftlern auch das Mikroskop kennen. Dank dieses Vergrößerungsglases entdeckte er parasitäre Würmer, die in den Augen von Tieren und Menschen vorkommen können. Seine Forschungsergebnisse publizierte er in zwei Heften mit dem Titel „Mikrographische Beiträge“ (1832). Im Januar 1832 berief man Alexander von Nordmann als Dozenten für Zoologie, Anatomie und Botanik an das Lyzeum Richelieu in Odessa. Von Odessa aus unternahm Nordmann Reisen nach Bessarabien, ins Donauland, auf die Krim und an die Schwarzmeerküste. Hierbei machte er auch jene entscheidende Expedition nach Abchasien und Georgien, wo er die Nordmanntanne entdeckte. Es war eine Reise, die nicht ganz ungefährlich war:

»Diesem Unternehmen standen Gefahren und Entbehrungen aller Art entgegen, hauptsächlich durch die feindliche Haltung der Bergbewohner und den schädlichen Einfluss des Klimas; von vier Kosaken und drei Linien-Soldaten, welche zur Hülfeleistung mitgenommen waren, unterlagen fünf dem Sumpf-Fieber und zwei fielen von den Kugeln der Abchasier.«
(Otto Hjelt)

Das üppige Resultat dieser Expedition waren rund 12.000 Pflanzen und Tiere, darunter Mose, Schnecken, Insekten und Samen. Auf diese Weise begründete der Finnlandschwede seinen Ruhm als Kenner der Fauna und Flora Südrusslands. Unter den 50 neu entdeckten Arten befand sich auch eine hochgewachsene Tanne. Der Nadelbaum trägt seit 1842 die lateinische Nomenklatur Abies nordmanniana, zu deutsch die Nordmanntanne.

Nach dem Cholera-Tod seiner Ehefrau Anna Helene Blanc im Juli 1848 kehrte Nordmann in seine alte Heimat zurück. Dort hatte er sich als Professor für Naturgeschichte und Zoologie an der Alexander-Universität in der neuen finnischen Hauptstadt Helsinki beworben. Ein weiterer Schicksalsschlag war der Tod seines Sohnes Arthur, der im Herbst 1862 bei einer Expedition im östlichen Sibirien erstochen wurde. Alexander von Nordmann blieb Kosmopolit bis ins hohe Alter. Er bereiste weiterhin Europa, sammelte Spinnen und heimste Lorbeeren ein. Noch 1864 erforschte er parasitär lebende Krebstiere:

»Wer Lust hat und Vergnügen daran findet, recht bizarre und oft unsymmetrische Geschöpfe zu bewundern, der mache sich nur über die niedriger stehenden parasitischen Crustazeen her.«

Im Februar 1866 ließ er sich auf eigenen Wunsch emeritieren. Er starb vielfach ausgezeichnet und hoch dekoriert ein halbes Jahr später. Vom massenweisen Einsatz der kaukasischen Nordmanntanne als deutschem Christbaum konnte er jedoch nicht einmal ansatzweise etwas ahnen.

~
Quellen
Gedächtnisrede auf Alexander von Nordmann, gehalten am Jahres- und Festtage der finnischen Gesellschaft der Wissenschaften den 29. April 1867, von Dr. Otto E. A. Hjelt, Helsingfors 1968.
Nils von Nordenskiöld und Alexander von Nordmann: Nach ihrem Leben und Wirken geschildert von Eduard von Eichwald, St. Petersburg 1870, S. 36-136.

Advertisements

Über Alexander

Ich bin außer mir.
Dieser Beitrag wurde unter Alexquisit abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu → Alexander von Nordmann: O Royal Tannenbaum

  1. Pingback: → Alexandre Dumas betrinkt sich im Kaukasus | ALEXIKON

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s