→ Alexandra: Die Stimme der Sehnsucht

Der Alexandraplatz in Kiel (Foto: Arne List)

Der Alexandraplatz in Kiel (Foto: Arne List)


Alexandra war zu Beginn der siebziger Jahre einer der häufigst vergebenen Mädchennamen im Westteil Deutschlands. Das mag zum Großteil an der Sängerin Doris Treitz gelegen haben, die unter dem Künstlernamen Alexandra große Karriere gemacht hatte.

bürgerlich: Doris Treitz Nefedov
* 19. Mai 1942 in Heydekrug/Šilutė, Litauen
† 31. Juli 1969 in Tellinstedt, Holstein

Zu dieser Zeit war die „Stimme der Sehnsucht“ jedoch schon die „Stumme der Sehnsucht“ und nur noch auf Schallplatten und im Radio zu hören. Die Chansonnette hatte es auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn buchstäblich aus der Kurve getragen. Alexandra war im Juli 1969 bei einem Verkehrsunfall im Alter von nur 27 Jahren tödlich verunglückt. Damit ist sie das bisher einzige deutsche Mitglied im fiktiven Klub 27, zu dem sowohl Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse gehören als auch der Bassist der Stooges, Dave Alexander, und der brasilianisch-jüdische Komponist Alexandre Levy.

In ihren Liedern schien Alexandra die Traurigkeit gepachtet zu haben, Texte und Melodien erklangen meist sehnsuchtsvoll in Moll. Selbst wenn sie fröhlich sang, spürte man eine wehmütige Seite. Es gibt eine Single, die die beiden Seiten der Medaille gut zusammenfasst. Auf der A-Seite erklingt das Lied „Das Glück kam zu mir wie ein Traum“, doch auf der B-Seite ertönt „Dunkles Wolkenmeer“.

Alexandras tiefe Stimme transportierte in ihren frühen Liedern deutsche Fantasien vom alten Russland, ein in Pelze gehülltes Klischee. Dazu einige Beispieltitel: Auf dem Weg nach Odessa, Klingt Musik aus dem Kaukasus, Sehnsucht (Lied der Taiga), Schwarze Balalaika, Moskau Moskau. Dabei konnte die Sängerin ihre Titel durchaus auf Russisch präsentieren, denn die vielsprachige Doris kam aus dem Memelland, von wo sie mit ihren Eltern vor der Roten Armee geflohen war. Als Neunzehnjährige hatte sie darüber hinaus den russischen Emigranten Nikolai Nefedov geheiratet und mit ihm einen Sohn bekommen: Alexander.

Doch Alexandra wollte das Fach wechseln, weg von der slawophilen Schwermut, hin zum frankophonen Liedgut. Der belgische Chansonier Adamo gab ihr Starthilfe. Auch mehr selbst geschriebene Songs sollten es nun sein. Von ihr stammen beispielsweise die Texte zu „Illusionen“ (Komponist: Udo Jürgens) und „Walzer des Sommers“ (Komponist: Salvatore Adamo). Den unglaublichen Erfolg ihrer komplett selbst komponierten Tree-Hugger-Hymne „Mein Freund der Baum“ sollte sie indes nicht mehr erleben.

Gegen 15 Uhr des 31. Juli 1969 fuhr Alexandra unter Missachtung der Vorfahrt bei Tellingstedt in eine schwer einsehbare Kreuzung. Ihr elfenbeinfarbenes Mercedes-Coupé 220 SE wurde von einem Lastwagen gerammt und in den Straßengraben geschoben. Bei dem Autounglück kam auch ihre Mutter ums Leben. Einzig ihr Sohn Alexander, der auf der Rückbank schlief, überlebte. Von ihm hatte sie sich übrigens einst ihren Künstlernamen Alexandra entliehen. „Sascha, Sascha, deine Lieder, sing ich, sing ich immer wieder“. Seit 2009 gibt es in Kiel den nach ihr benannten Alexandraplatz.

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Bildquelle: Arne List @ Wikipedia (CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0)

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2 Antworten zu → Alexandra: Die Stimme der Sehnsucht

  1. Fabienne H. schreibt:

    Wunderbare Sängerin! Ich kenne und singe all ihre Lieder 🙂 Die Informationen auf dieser Seite über sie sind zwar in Betracht auf das gesamt mögliche Alexandra- wissen das existiert etwas dürftig aber im großen und ganzen ausreichend.

    PS: R.I.P Doris ❤ Alles geht vorüber, alles geht vorbei doch deine Lieder machten dich unsterblich

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