→ Alexander Burnes: Unser Mann in Kabul

Kid Kabul

Kid Kabul a/k/a Sir Alexander Burnes


Der schottische Abenteurer, Diplomat und Reiseschriftsteller durchstreifte Länder, die nur wenige Europäer vor ihm je mit eigenen Augen gesehen haben. Über seine Reisen durch Indien, Persien und Afghanistan veröffentlichte er ein Buch, welches ihm den Spitznamen „Buchara-Burnes“ einbrachte. Trotz der abweichenden Schreibweise war Alexander Burnes ein Cousin des schottischen Nationaldichters Robert Burns.

Spitzname: Buchara-Burnes
* 16. Mai 1805 in Montrose (Schottland)
† 2. November 1841 in Kabul (ermordet)

Afghanistan kennt man eigentlich nur noch als Krisenregion aus den Nachrichten. Als Kriegsschauplatz besitzt das Land der Paschtunen eine lange Tradition. Immer wieder haben es die Bewohner des bergigen Landes vermocht, übermächtige Angreifer wie das British Empire, die Sowjetunion oder die United States abzuwehren und in aufreibende Guerillakämpfe zu verwickeln. Bereits Alexander der Große hat in der historischen Landschaft Baktrien militärischen Widerstand erfahren.

Alexander Burnes lebte zur Zeit des „Great Game“ (1835-40). Spielemacher waren das russische und das britische Kaiserreich, es ging um die Vorherrschaft in Zentralasien. Im Alter von 16 Jahren meldete sich Burnes zur Armee der Britischen Ostindien-Kompanie. In Indien, wo er stationiert war, lernte er die lokalen Sprachen Farsi (Persisch) und Hindustani. Durch die Fähigkeit, die Einheimischen zu verstehen, erwachte sein Interesse an der Geschichte und Geographie der nördlichen Regionen, die von den Briten bisher kaum erforschten worden waren. Auf seiner ersten Reise erkundete Burnes den Verlauf des Indusflusses.

In den folgenden Jahren unternahm er weitere Reisen durch Indien, Afghanistan und Persien bis hin nach Buchara, einer antiken Handelsstadt im heutigen Usbekistan. Auf seinen Reisen kam er auch an den kolossalen Buddha-Statuen in Bamiyan vorbei, sie wurden 2001 von der Taliban gesprengt. Da er darüber schrieb, gilt er als moderner Entdecker der beiden Buddha-Figuren, die er als Mann und Frau interpretierte: „Unter allen orientalischen Altertümern hat keines die Neugierde der Gelehrten mehr erregt als die Riesenbilder von Bamiyan. Sie bestehen aus zwei Figuren, einer männlichen und einer weiblichen… Die weibliche Figur ist vollkommener erhalten als die männliche; sie ist auf dieselbe Art bekleidet, und aus demselben Berg in einer Entfernung von 600 Fuß ausgehauen. In jeder der Figuren sind mehrere Höhlen ausgegraben, von denen ein Gang im Innern auf den Gipfel beider Gestalten führt. Nichts kündigt an den Bildern in Bamiyan irgendeinen großen Fortschritt in der Kunst oder überhaupt etwas an, das nicht die gewöhnlichsten Menschen ausführen konnten. Den Griechen kann man sie sicherlich nicht zuschreiben, auch erwähnt ihrer kein Schriftsteller Alexanders. Scherif-eddin, der Geschichtsschreiber Tamerlans, beschreibt beide Idole, sowie die Aushöhlungen, und gibt an, dass kein Bogenschütze den Kopf habe treffen können.“

Über seine Expeditionen durch den unerforschten Orient veröffentlichte Alexander Burnes 1834 ein Buch, mit dem er sehr schnell sehr bekannt wurde: „Travels into Bokhara; Being an account of a Journey from India to Cabool, Tartary and Persia; Also, narrative of a Voyage on the Indus from the Sea to Lahore“ – kurz: „Reisen nach Indien, Persien und Buchara“ (Gratis-Ausgaben in Englisch und Deutsch auf Google-Books vorhanden). Daraufhin ernannte man Alexander Burnes zum Mitglied der Royal Society, einer Art Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreichs.

Wieder in Afghanistan wurde Burnes 1836 mit einer politischen Mission betraut. In Kabul sollte er Kontakt zu Dost Mohammed, dem amtierenden Herrscher von Afghanistan, aufnehmen. Doch weil der gerade seine Sympathien zu Russland entdeckte, beschlossen die Briten, Dost Mohammed fallenzulassen und den vormaligen Herrscher Schah Shoja zu reaktivieren. Dieser Eingriff in die inneren Angelegenheiten Afghanistans führte zum ersten von insgesamt drei Anglo-Afghanischen Kriegen. Nach dem Einmarsch der Briten verblieb Alexander Burnes als Agent und Diplomat in Kabul.

Die Abneigung der Paschtunen gegen die neue Kolonialmacht verstärkte sich. Genährt von Steuererhöhungen kam es in Kabul zu Unruhen. In den frühen Morgenstunden des 2. November 1841 versammelte sich eine aufgebrachte Menschenmenge vor Burnes‘ Wohnhaus. Es heißt, unter den Aufwieglern seien auch Ehemänner gewesen, die sich von Burnes hintergangen und betrogen fühlten. Bei dem aussichtslosen Versuch, aus dem umstellten Haus zu entkommen, wurden Alexander Burnes und seine Begleiter, darunter auch sein Bruder, von der rasenden Meute aufgegriffen und gelyncht.

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Bildquelle: Wikipedia

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