Alexis Claude Clairaut: Entdecker eines unsichtbaren Planeten

Alexis-Claude Clairaut (1713-1765)

Alexis-Claude Clairaut (1713-1765)

Alexis-Claude Clairaut errechnete die abgeplattete Form der Erde, die Wiederkehr des Halleyschen Kometen und die Existenz des Uranus. Nur mit der Liebe rechnete der Mathematiker nicht.

* 7. Mai 1713 in Paris
† 17. Mai 1765 in Paris

»Fünf Mathematiker, Alexis Claude Clairaut, Leonhard Euler, Jean le Rond d’Alembert, Joseph Louis Lagrange und Pierre Simon Laplace, teilten unter sich die Welt auf, deren Existenz Newton enthüllt hatte. Sie erklärten sie nach allen Richtungen und brachten alles, was höchst verwickelt und geheimnisvoll in den Bewegungen der Himmelskörper ist, unter die Herrschaft eines einzigen Prinzips, eines einheitlichen Gesetzes.«
(Dominique François Arago, 1786-1853)

Im Barock wusste man bereits: Die Planeten bewegen sich auf festen Bahnen und die Sonne ruht im Mittelpunkt. Dank Newton mutierte die Astronomie zur reinen Himmelsmechanik, und der Schlüssel zum Verständnis hieß Mathematik. Alexis-Claude Clairaut wurde in diese barocke Welt hinein geboren, mit Ludwig XIV. als Sonnenkönig, um den sich – zumindest in Frankreich – alles drehte. Der junge Alexis hingegen war eine Sternschnuppe, ein Wunderkind, das mit mathematischen Berechnungen die altehrwürdigen Herren der Académie française schwer beeindruckte. Wen wundert’s, war doch auch der Vater ein Mathematiker.

Im Jahr 1736 nahm Alexis Clairaut an einer Lappland-Expedition des Mathematikers Pierre-Louis Moreau de Maupertuis teil, die jener im Auftrag von König Ludwig XV. durchführte. Aufgabe war es, den Abstand zweier Breitengrade zu vermessen, um daraus die Größe der Erde abzuleiten. Da die Erde rund ist, würde sie sich geometrisch berechnen lassen. Ein Ergebnis der Expedition war Clairauts Schrift „Theorie der Erdgestalt nach Gesetzen der Hydrostatik“ (1743). Der darin enthaltene „Satz von Clairaut“ beschreibt eine Beziehung zwischen Abplattung, Schwere und Rotation der Erde. Somit konnte erstmals ein Zusammenhang zwischen Geometrie und Physik bewiesen werden: Die Erde ist ein durch Rotation an den Polen abgeplattetes Ellipsoid, mehr Melone als Bowlingkugel.

Diese Untersuchungen führten Alexis Clairaut von der theoretischen Mathematik über die Erdkunde zur Sternenkunde. Der Rechenkünstler beschäftigte sich nun mit einer Bahnstörung des Halleyschen Kometen. Der Astronom Edmond Halley, nach dem der Komet benannt war, hatte dessen Wiederkehr für 1758 vorausgesagt. Tatsächlich erschien der Halleysche Komet erst am 13. März 1759. Aus der Differenz schloss Clairaut auf einen massereichen Körper jenseits des Saturn, was eine revolutionäre Vermutung darstellte, da das damals bekannte Sonnensystem mit dem Saturn endete. Der mysteriöse massereiche Körper wurde dann 1781 von Wilhelm Herschel ausfindig gemacht und ging als siebter Planet unter dem Götternamen „Uranus“ in die Lehrbücher ein.

Alexis-Claude Clairaut blieb sein Leben lang unvermählt, hatte aber Liebschaften; so zum Beispiel mit der emanzipierten Philosophin und Mathematikern Émilie du Châtelet. Zusammen übersetzten sie Newtons „Principia“ aus dem Lateinischen ins Französische (wie romantisch!) und veröffentlichten sie unter dem Titel „Les Principes de Newton“. Clairaut war auch Herausgeber dieser Übersetzung, die 1759 mit einem Vorwort Voltaires erschien und Newtons Erkenntnisse auf dem europäischen Kontinent erst bekannt machte.

~
Bildquelle: Wikipedia

Advertisements

Über Alexander

Ich bin außer mir.
Dieser Beitrag wurde unter Alexquisit abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s